Der Süden des Nordens – Ein Reisebericht

Lindenes Fyr |

Andere fahren in den Süden, wir suchen den Süden des Nordens.

Älgbert Elgson
Lindenes Fyr |

Es war wieder soweit – wir bestritten ein neues Abenteuer. Nach unserem Aufenthalt bei der Queen in London ein paar Wochen zuvor zog es uns wieder hinaus in die Welt um diese zu erkunden. Viele weiße Flecken auf unserer Reiselandkarte warten nur darauf von uns entdeckt zu werden. Die grobe Richtung unseres Reisekompasses zeigt wieder in den Norden – den südlichen Norden.

Folgend sind unsere Erlebnisse bei dieser Reise in Form eines Reisetagebuchs beschrieben.

Spontaner Einfall

Dienstag, 19.Juli 2022
Dresden | Blick auf die Elbe - View of the Elbe
Dresden | Blick auf die Elbe – View of the Elbe

Nach akribischer Planung unserer Reiseroute entschlossen wir uns diesen durchdachten Plan über den Haufen zu werfen und spontan einen (halben) Tag früher loszufahren, denn ein guter Älgfreund befand sich zum Zeitpunkt unserer Abreise gerade in Dresden. Wir hätten ohnehin irgendwo in der Mitte einen Halt einlegen müssen, denn selbst für einen Älg wäre die Anreise an einem Tag zu viel gewesen, und da bot sich ein kurzer Zwischenstopp in der sächsischen Stadt geradezu an.
Nach einer kurzweiligen und ereignislosen Fahrt über tschechische Straßen, kamen wir gerade rechtzeitig zu einem sehr wohlschmeckenden sächsischen Abendmahl an. Nur auf den Verzehr von Bier musste an diesem Abend zur Wahrung der Verkehrstüchtigkeit verzichtet werden. In einem Brauereigasthof eigentlich undenkbar, siegte dennoch die Vernunft über das Verlangen. Der Konsum von gebrautem wird jedoch sicher im Laufe der Reise nachgeholt werden.

Meer sehen

Mittwoch, 20.Juli 2022

Das sächsische Abendmahl wurde verdaut und der wohlverdiente Schlaf, wenn auch etwas zu kurz, wurde nachgeholt. Der Älgfreund musste sich nach dem Frühstück wieder von uns verabschieden. Auch wenn er uns gerne auf unserem Abenteuer gefolgt wäre, muss er dennoch seiner erwerbsmäßigen Tätigkeit nachgehen und ein paar „Schraubn und Muddern drehen“, wie er immer sagt. Wir aber nutzten die frühen Stunden für einen schnellen Erkundungsspaziergang durch die Dresdener Altstadt bevor wir stundenlang wieder deutsche Autobahnkilometer abspulen mussten.

Dresden ist eine wunderschöne Stadt, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Leider ist dieses Jahr wohl Baustellensaison, da vor allen bekannten Sehenswürdigkeiten entweder Bauzäune aufgestellt wurden, oder große Maschinen an ihr Tagwerk gingen. Der Zwinger glich einer Großbaustelle, die Semperoper wurde mit Bauzäunen umzingelt und auch am Neumarkt machten sich Techniker an die Arbeit irgendetwas zu reparieren. Naja, kommen wir halt ein anderes mal wieder…
Viele ereignislose und geduldszehrende Kilometer folgten auf der Autobahn. Zuerst folgten wir den Schildern nach Berlin, dann Hamburg, um dann Richtung Flensburg abzubiegen. An ein entspanntes Fahren war dank einiger Volantkünstler nicht zu denken. Ständig musste aufgrund ausscherender LKWs das Tempo abrupt stark reduziert werden, nur um danach wieder auf die Reisegeschwindigkeit beschleunigen zu müssen.

  • Dresden | Georgentor mit Blick Richtung Frauenkirche - Georgentor with a view towards the Frauenkirche
  • Dresden | Zwinger Theaterplatz
  • Dresden | Georgentor
  • Dresden | Semperoper
  • Dresden | Fürstenzug

Kaum über der dänischen Grenze ändert sich dieses Bild. Aufgrund der allgemein niedrigeren maximalen Geschwindigkeit ist eine zu große Geschwindigkeitsdifferenz gar nicht möglich. Man benötigt zwar mehr Zeit, doch ist die Reise dadurch weitaus entspannter. In Hirtshals angekommen und unseren Stellplatz am Campingplatz eingenommen wollten wir nur noch eines: Meer sehen.
Unsere Schuhe flogen so schnell es ging von unseren Füßen und unser Weg zum salzigen Nass konnte in Angriff genommen werden. Sonne, Meer und kühle Brise – jetzt kann der Urlaub beginnen.

  • On the Road | Älgbert hört seine Lieblingsmusik von Sofi Tukker bei 39°C Außentemperatur. - Älgbert listens to his favorite music by Sofi Tukker at 39°C outside temperature.
  • On the Road | Grenze zu Dänemark - Border with Denmark
  • Hirtshals | Abendessen nach der langen Reise - Dinner after the long journey
  • Hirtshals | Älgbert blickt sehnsüchtig hinaus aufs Meer - Älgbert looks longingly out to sea
  • Hirtshals | Wunderbarer Sonnenuntergang zum Ausklang des Tages - Wonderful sunset to end the day
  • Hirtshals | Meeresrauschen - Calming sound of the sea
  • Hirtshals | Flora im abendlichen Wind - Flora in the evening wind

Betonwürfel

Donnerstag, 21.Juli 2022

Die erste Nacht in unserem Micro-Camper haben wir äußerst komfortabel verbracht. Durch unsere neuen Verdunkelungsmaßnahmen werden wir nun nicht mehr von der Sonne viel zu früh geweckt. Ein positiver Nebeneffekt ist ebenfalls, dass die Innenraumtemperatur auf einem erträglichen Niveau bleibt. Erst um 09:00 öffneten wir unsere Heckklappe und rollten aus unserem Gefährt.
Wir haben ja durch unsere Spontanität einen Tag gut gemacht und der sollte nun gebührend genutzt werden. Am gestrigen Tag haben wir schon den Strand in der Nähe des Campingplatzes erkundet und haben hierbei eine Besonderheit feststellen können: man kann ihn mit dem Auto befahren!

  • Hirtshals | Unser treuer Begleiter am Kjul Strand - Our faithful companion at Kjul Beach
  • Hirtshals | Unser treuer Begleiter am Kjul Strand - Our faithful companion at Kjul Beach
  • Hirtshals | Pferde in der Dünenlandschaft - Horses in the dune landscape

Gleich nach der notwendigen Morgenhygiene haben wir es selbst erfahren – das geht tatsächlich! Es wurde aber nicht nur die Strandtauglichkeit unseres Reisemobils erprobt, sondern auch eines unserer neuen Spielzeuge. Mit unserer neuen Drohne lassen sich nie dagewesene und atemberaubende Bilder und Videos machen. Dabei trifft es sich ganz gut, dass unser diesjähriges Abenteuer ja nach Norwegen und Schweden geht, denn in beiden Ländern befinden sich beeindruckend schöne Landschaften, die wir nun mit unseren neuen technischen Geräten fachgerecht einfangen können.
Den restlichen Tag verbrachten wir hauptsächlich mit dem Suchen von Betonwürfeln in Hirtshals. Zum einen haben die Deutschen dort Anfang der 1940er Jahre einige dieser massiven Bauten in die Dünenlandschaft gestellt und dann vergessen sie wieder mitzunehmen, zum anderen feierte die Stadt Hirtshals 2019 durch das Aufstellen von einhundert Betonwürfeln, die allesamt nummeriert und hundert Kilo schwer sind, ihr einhundertjähriges Bestehen. Wir haben schon einmal über diese Betonwürfel zu Ehren der Stadt Hirtshals berichtet, als wir zu unserem ersten Island-Abenteuer aufgebrochen sind. Doch die Homepage der Gemeinde hat die Informationsseite offline genommen und wir hatten schon die Angst, dass diese Würfel verschwunden sein könnten. Wir mussten also nachsehen ob alle noch da sind und können vermelden, dass uns nicht aufgefallen wäre, dass einer fehlt. Wir haben aber auch nicht alle gesucht, da dies den Zeitrahmen sprengen würde. Die Würfel sind über das gesamte Gemeindegebiet verstreut. -> es gibt eine Übersichtskarte, falls jemand aus unserer Leserschaft alle Würfel finden möchte.


Die lange Würfelsuche hat uns sogar so ermüdet, dass wir kurz auf einer brachialarchitektonischen Hinterlassenschaft deutscher Machart aus den 1940er Jahren eingeschlafen sind. Nun können wir sagen, dass wir schon einmal auf einem Bunker geschlafen haben, doch mussten wir uns beeilen um nicht das Blechballet zu verpassen und bewegten uns mit den anderen in den Bauch der Fähre MS Stavangerfjord .

  • Hirtshals | Einer der deutschen Bunker am Strand - One of the German bunkers on the beach
  • Hirtshals | Älgbert sitzt am Stafet001 - Älgbert sits on Stafet001
  • Hirtshals | Smørrebrød
  • Hirtshals | Fischer verrichten ihr Tagwerk - Fishermen do their daily work

Berge(n)

Freitag. 22.Juli 2022

Die See war uns gewogen und wir, die Angehörigen des Bergvolkes, konnten unbeschadet in Bergen wieder an Land gehen. Der norwegische Grenzpolizist begrüßte uns mit einem Lächeln und guten Ratschlägen in seinem wunderschönen Heimatland, das wir nun besuchen durften.
Einer seiner Ratschlag war das gute Wetter zu nutzen, denn so einen wunderschönen Sonnentag wie an diesem gibt es in Bergen nur selten.
So wurde wieder einmal unsere Spontanität in Anspruch genommen und der eigentliche Tagesplan komplett über den Haufen geworfen. Retrospektiv betrachtet war dies eine sehr gute Entscheidung. Wir suchten schnell eine Unterkunft für unser Reisemobil und machten uns auf zum Berg Fløyen, einem der sieben Berge die Bergen umgeben und der bequem vom Stadtzentrum erreichbar ist. Ursprünglich wollten wir vom Berg Ulriken über das Hochplateau Vidden zum Berg Fløyen wandern, doch aufgrund unserer spontanen Planänderung und dem Umstand, dass wir erst um die Mittagszeit aus dem Bauch des Schiffes ausgespuckt wurden, wäre es uns nicht möglich gewesen diese lange Wanderung noch vor dem Sonnenuntergang zum Abschluss zu bringen. Daher haben wir uns dazu entschlossen uns mit der Fløibanen zeitsparend nach oben befördern zu lassen und von der Bergstation aus so weit es uns zeitlich und vor allem konditionell möglich war Richtung Ulriken zu wandern.

  • On the sea | Dänische Flagge im Wind - Danish flag in the wind
  • On the Sea | Eine der unzähligen kleinen Inseln vor der norwegischen Küste - One of the countless small islands off the Norwegian coast
  • On the Sea | Eine der unzähligen kleinen Inseln vor der norwegischen Küste - One of the countless small islands off the Norwegian coast
  • On the Sea | Die Fahrzeuge unter Deck sind dicht gepackt - The vehicles below deck are tightly packed
  • Bergen | Bryggen
  • Bergen | Blauer Wolkenhimmel - blue cloudy sky
  • Bergen | Revurtjernet
  • Bergen | Älgbert in seiner natürlichen Umgebung - Älgbert in his natural environment
  • Bergen | Breidablikk
  • Bergen | Storediket
  • Bergen | Blåmanen

Nach unserer Ankunft wurde uns auch schnell klar warum der Fløyen bei Einheimischen, wie auch Touristen, zu den beliebtesten Ausflugszielen in Bergen zählt. Direkt bei der Bergstation sind mehrere Naturspielplätze und familienfreundliche, teils asphaltierte, Wege zu verschiedenen Seen oder Aussichtspunkten angelegt. Wir jedoch wollten wandern und nicht nur spazieren gehen, so wählten wir weiter abgelegene erste Wanderziele aus, um von der Hauptroute etwas abseits der Menschen die wunderschöne Natur kennenzulernen. Der Aufstieg war steil und durch die Sonneneinstrahlung wurden wir ziemlich stark zum Schwitzen gebracht, doch die Mühen haben sich mehr als gelohnt.
Angespornt durch die schöne Aussicht wollten wir immer weiter, um nachzusehen, was hinter der nächsten Biegung auf uns warten könnte, doch irgendwann mussten wir einsehen, dass wir den Rückweg antreten mussten. Es war unsere erste Wanderung bei diesem Abenteuer, doch es sollte nicht unsere letzte gewesen sein.
Die Fischsuppe aus lokalen Zutaten die wir uns zur Stärkung am Abend genehmigt hatten, schmeckte angesichts unserer heutigen Eindrücke umso besser.

Holzhäuser

Samstag, 23. Juli 2022

Das Bett war so gemütlich, dass wir es fast nicht verlassen wollten. Doch das im Hotel angebotene Frühstück veranlasste uns, unsere Körper doch in Bewegung zu versetzen. Am heutigen Tag sollte die Stadt Bergen erkundet werden – zu Land und zu Wasser.
So sind wir zuerst zu Fuß quer durch die Stadt geschlendert bevor wir Platz auf der kleinen historischen Fähre „Beffen“ nahmen, um damit zum etwas außerhalb des Stadtzentrum gelegenen Museum „Den Gamle Bergen“ zu gelangen. Es ist immer wieder wunderbar eine Stadt nicht nur aus der gewohnten Landperspektive, sondern auch vom Wasser aus kennenlernen zu dürfen.

  • Bergen | Kode Permanenten
  • Bergen | Stadtbewohner - city ​​dwellers
  • Bergen | Sprøytegutten
  • Bergen |
  • Bergen | Kaigaten

Das „Gamle Bergen“ Museum ist ähnlich „Den Gamle By“ in Aarhus (DK) aus dem Umstand entstanden, dass die einst typischen Holzhäuser Bergens immer mehr dem Verfall und Abriss preisgegeben wurden und diesem Trauerspiel einige Enthusiasten nicht tatenlos zusehen wollten. Auf einem großen freien Grundstück wurde in mühevoller Kleinstarbeit begonnen die alten Holzhäuser wieder aufzubauen, die zuvor in ihre Einzelteile zerlegt dort hin transportiert wurden. Das Schaudorf ist durch Mitarbeiter „bewohnt“ die in mehrere authentische historische Rollen schlüpfen und die Fragen der Besucher beantworten. Zu jeder vollen Stunden werden kleine zusammenhängende Geschichten in Form von schauspielerischen Darbietungen erzählt die einen persönlicheren Einblick in das Leben der Menschen in der damaligen Zeit bieten.

  • Bergen | Gamle Bergen Museum - Bymuseet i Bergen
  • Bergen | Gamle Bergen Museum - Bymuseet i Bergen
  • Bergen | Gamle Bergen Museum - Bymuseet i Bergen
  • Bergen | Gamle Bergen Museum - Bymuseet i Bergen

Nach der kleinen Zeitreise im Museum ließen wir uns vom alten Fährschiff wieder zurück ins Stadtzentrum bringen. Der historische Stadtteil Bryggen ist charakteristisch für das alte Bergen mit den alten Holzhäusern und Kontoren der Hanse. Der Zahn der Zeit hat auch am wichtigsten Wahrzeichen Bergens genagt, sodass heute einige der Holzgebäude des UNESCO Welterbe restauriert werden müssen. Die Kontore der Lübecker Hanse wurden schon 1365 dem Hansetag unterstellt. Zur Blütezeit bildeten die deutschen Kaufleute und Handwerker etwa ein Viertel der Bevölkerung Bergens. Beim großen Brand im Jahr 1702 wurden fast alle Gebäude, die größtenteils aus Holz gebaut waren, vernichtet. Es folgte jedoch ein Wiederaufbau im alten Stil. 1901 wurde ein Teil der südlichen Häuserzeile abgerissen und in Ziegelbauweise, aber mit den Giebeln im alten Stil neu errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war alles “Deutsche“ aus verständlichen Gründen in Norwegen etwas unbeliebt und das Viertel wurde vernachlässigt. Nach einem Brand 1955 wurde sogar erwogen die historischen Gebäude komplett abzureißen und durch moderne zu ersetzen. Nach jahrelanger Diskussion wurde zum Glück jedoch beschlossen, dass das gesamte Areal wieder aufgebaut werden soll. Seit 1979 steht das Hanseviertel Bryggen mit seinen etwa 60 Gebäuden auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO und gilt heute als eine der bedeutendsten historischen Sehenswürdigkeiten Bergens.
Wir beschlossen in diesem Ambiente das heutige Abendmahl zu uns zu nehmen und konnten mit vielen neuen Eindrücken und gefüllten Bäuchen den Tag abschließen. Am folgenden Tag ging die Reise weiter und wir tauschten wieder die komfortablen Hotelbetten mit unserem noch viel komfortableren Reisemobil.

Bergen | Hansakvarteret Bryggen
Bergen | Hansakvarteret Bryggen

Von oben nach unten fallendes Wasser

Sonntag, 24.Juli 2022

Wir verließen Bergen nach einem kräftigen Frühstück mit allerhand Fisch, Ei, Köttbullar und frischem Gebäck. Gestärkt wollten wir den neuen Tag beginnen, denn immerhin haben wir die Besichtigung mehrere Wasserfälle, eine kleine Wanderung und eine lange Autofahrt geplant. Wenn da nicht wieder das Wetter gewesen wäre. Schon bei der Abreise schien sich der Himmel mit immer mehr Wolken zu füllen, die allesamt nur darauf zu warten schienen ihre nasse Ladung über uns zu ergießen. Natürlich konnte uns so etwas nicht so leicht von unserem Vorhaben abbringen. Der nur etwa 75 Kilometer von Bergen entfernte Steindalsfossen war unser erstes Ziel. Der Regen hatte kurz von starkem Nieselregen zu mittelstarkem Nieselregen nachgelassen und wir machten uns bewaffnet mit unseren Regenjacken auf den Weg den Wasserfall zu erkunden. Eine Besonderheit bei diesem Wasserfall ist, dass man hinter dem Wasser vorbeilaufen kann – ähnlich dem Seljalandsfoss in Island, nur kleiner. Auf dem Weg zum Vøringsfossen kamen wir (absichtlich) durch den kleinen Ort Ulvik, denn dieser ist bekannt für seine guten Cider-Produzenten. Dies wollten wir natürlich selbst überprüfen ob dies auch den Tatsachen entspricht, doch leider wurden wir durch den Umstand, dass wir an einem Sonntag nach Ulvik gekommen waren und auch norwegische Apfelweinproduzenten an diesem Tag nicht arbeiten wollen, davon abgehalten. Vorerst zumindest.

  • Steindalsfossen |
  • Ulvik |
  • Ulvik |
  • Ulvik |
  • Vøringsfossen | Fußgängerbrücke über den Bjoreio - pedestrian bridge over the Bjoreio
  • Vøringsfossen |

Der Vøringsfossen ist mit seiner Fallhöhe von 183 Metern ein beeindruckendes Naturschauspiel – aber nur im Sommer. Denn der kleine Fluss Bjoreio der den Wasserfall speist wird oberhalb gestaut und für die Stromproduktion genutzt. Daher ist ein großer Teil der eigentlichen Wassermenge den größten Teil des Jahres nicht zu sehen. Für touristische Zwecke jedoch wird im Sommer vom 1. Juni bis 15. September die Wassermenge auf zirka 12 m³ pro Sekunde erhöht, was etwa der natürlichen Durchflussmenge entspricht. Eigentlich war geplant hier eine Wanderung durch das schöne Tal unterhalb des Wasserfalles zu machen, doch aufgrund der Wassermassen die aus den Wolken fielen wurde von diesem Unterfangen Abstand genommen.
So mussten wir unverrichteter Dinge weiterziehen. Denn wir hatten ja noch viel vom Tag übrig und wollten diesen zumindest dahingehend nutzen, dass wir weiter zu unserem nächsten Ziel fahren. Dort war uns der Wettergott und die Glücksfee doch noch wohl gesonnen, denn der Himmel klarte auf und an der von uns befahrenen Straße boten andere Obst(wein)produzenten ihre Früchte und Obstprodukte an. Wir ließen es sich uns natürlich nicht nehmen einige Flaschen zur Verkostung mitzunehmen.
Viele weitere Wasserfälle säumten unseren Weg. Einer war beeindruckender als der vorhergehende, doch einer stach aus der schieren Masse an beeindruckenden Wasserfällen heraus. Der Låtefossen zwischen Odda und Skare direkt neben der Straße 13 gelegen überwältigte uns mit seiner Gewaltigkeit und gleichzeitigen Schönheit.

  • Låtefossen |
  • Låtefossen |
  • Låtefossen | Grønsdalslona
  • Låtefossen | Grønsdalslona

Die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz gestaltete sich schwieriger als gedacht an diesen abgelegenen Fleckchen Norwegens. Unser heutiger Stellplatz ist jedoch sehr zufriedenstellend an einem Seeufer gelegen mit Blick auf einen weiteren beeindruckenden Wasserfall. Leider hat der Wettergott gemeint er müsste genau in dem Moment den Regen wieder anstellen als wir begonnen hatten zu kochen. Das Chili con Carne war zwar leicht verdünnt, aber dennoch schmackhaft. Wir konten nur auf sonnigere Tage hoffen.

Regnvær

Montag, 25.Juli 2022

Wir erwachten und hofften auf einen sonnigen Morgen. Schnell machte sich bittere Enttäuschung breit als wir aus dem Fenster blickten. Es schüttete wie aus Kübeln. Somit war unser Tagesplan schon wieder nichtig und wir mussten eine Alternative finden. Alle unsere Planungen involvierten irgendeine Art von Fortbewegung die wir mit unseren Füßen bewerkstelligen wollten. Wandern – Spazieren – Flanieren
Einen Berg hochzuwandern fiel aufgrund der Witterung definitiv flach. Viel zu gefährlich wäre so ein Unterfangen. Ratlose Gesichter blickten in erhellende Mobiltelefonbildschirme um Antworten zu finden. Kurzerhand beschlossen wir einen kleinen Umweg über Haugesund auf uns zu nehmen in der Hoffnung, dass dort das Wetter besser sein sollte. Doch bei der Ankunft erwartete uns das selbe Bild. Der Himmel ließ viel Wasser auf uns regnen. Leicht geknickt setzten wir dennoch unsere Erkundung durch Haugesund fort.
Jedoch hätten wir besser etwas „blåbærkake“ und dazu etwas „varm sjokolade“ in einem der vielen Cafés zu uns nehmen sollen. Wer noch nie in Haugesund war hat auf alle Fälle nicht viel verpasst. Zwar finden dort jedes Jahr im Sommer das Filmfestival „Den norske Filmfestivalen“ und das Jazzfestival „Sildajazz“ statt, doch ansonsten wirkt die Stadt eher so als ob sich nicht viel dort abspielen würde. Viele der weißen Holzhäuser für die Haugesund berühmt ist, sind entweder leer stehend oder als zu verkaufen gekennzeichnet. Der restliche Baubestand wirkt wie alle Bausünden aus den 1970er Jahren – trist.
Einzig der Besuch bei den ansässigen Antiquitätenhändlern erheiterte das Gemüt. Dort findet man allerhand Krimskrams die man eigentlich überhaupt nicht braucht, aber dennoch haben möchte. Leider haben wir auch bei diesem Abenteuer, wie auch schon in Frankreich als wir die Reichen und Schönen besuchen wollten, unseren Anhänger zuhause vergessen, denn sonst kämen wir mit so nützlichen Sachen wie etwa einem Skellet, einer alten Geografiekarte aus einer norwegischen Schule oder einem Jugendstilleuchter nach Hause.
Da auch dieser Aufenthalt uns nicht zufriedenstellte, haben wir unseren Weg schon heute nach Stavanger fortgesetzt. Wir hofften dort zumindest auf dem Campingplatz noch etwas Ruhe zu finden und abends noch Essen im Abendrot zubereiten zu können. Doch auch hier hatten die sich über Stavanger versammelten Regenwolken etwas dagegen. Das Wetter ist uns die letzten Tage absolut nicht hold. Gerade als wir unsere Nudeln in das dafür vorgesehene Nudelwasser und etwas Salz nachgekippt hatten, öffnete der Himmel erneut seine Schleusen. Als ob da oben jemand etwas dagegen hätte, dass wir Nudeln aus dem Mühlviertel in Oberösterreich mit Sugo aus der Toskana vermischten. Oder wir erzürnten den Nudelgott, da wir sie etwas zerkochten. Auf alle Fälle haben wir wieder im strömenden Regen unser Abendessen zu uns nehmen müssen – ohne Möglichkeit sich und vor allem das Essen irgendwie trocken zu halten. Der Aufenthaltsraum des Campingplatzes war durch den spontanen Erguss des Himmels sehr gut besucht und wir versuchten unsere nassen Knochen etwas durch die Wärme im Inneren zu trocknen. Der norwegische Wetterdienst sagt uns für die kommenden Tage ähnliche Verhältnisse voraus – naja, schau’ma moi…

  • Norwegen |
  • Norwegen |
  • Haugesund |
  • Haugesund |
  • Haugesund |
  • Norwegen | Fährfahrt - Ferry ride
  • Norwegen | Kommandozentrale - Command center

Sturm

Dienstag, 26.Juli 2022

Der Tag begann wie auch schon der vorhergegangene aufgehört hatte. Es war nass. Am Campingplatz haben die Betreiber am gestrigen Abend jedem Herbergssuchenden der an ihre Pforten klopfte noch Einlass gewährt und so füllte sich der Platz so lange, bis auch der letzte freie Platz in der zweiten Reihe komplett zugestellt war. Als wir unsere neuen Nachbarn zum ersten Mal sehen durften, hatte sich in uns schon leichte Panik breit gemacht, ob nicht wieder ein Kaltumformspezialist bei den Lenkradkünstlern dabei wäre. Die Befürchtung war dahingehend groß, dass wir ein ähnliches Ereignis wie in Island erleben müssen. Manche hatten Müh‘ und Not ihren Campingbus so zu manövrieren, dass es einen halbwegs souveränen Eindruck gemacht hätte.

Unser ursprünglicher Plan wurde durch das vorherrschende Wetter schon mehrfach durcheinandergebracht. Doch heute wollten wir uns unbedingt Stavanger ansehen.
Die Stadt Stavanger wurde schon 1125 Bischofssitz und bekam 1425 das vollständige Marktrecht. Die Einwohnerzahl stagnierte lange Zeit und außer vielen Bränden passierte knappe 400 Jahre nicht viel. Erst im frühen 19.Jahrhundert kam es wieder zu einem Aufschwung durch den Heringsfang und ab 1873 einen erneuten wirtschaftlichen Boom durch die Gründung der ersten Konservenfabrik. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts siedelten sich vermehrt Industriebetriebe, darunter viele Konservenfabriken, in der heutigen Altstadt an. Dadurch verkam die Gegend zunehmend zu einem Slum und es wurde erwogen die Wohnbebauung komplett abzureissen und in ein Industriegebiet zu verwandeln. Zum Glück wurde von diesem Vorhaben Abstand genommen, denn nur so ist es heute möglich die etwa 200 Jahre alten Holzhäuser zu sehen und fotografisch festzuhalten.

  • Stavanger | Typische Holzhäuser in der Altstadt - Typical wooden houses in the old town
  • Stavanger |
  • Stavanger |

Durch den Fund großer Erdölvorkommen wurde Stavanger auch zur Erdölhauptstadt Norwegens – aber dazu später. Die Küstenstadt bildet heute das regionale Zentrum und ist beliebt bei vielen Touristen – leider auch bei Kreuzfahrtschiffen. Bei unserer Ankunft warteten sogar zwei dieser Riesen darauf ihre Ladung an Land spülen zu dürfen. Menschenmassen drängten sich durch die engen Gassen der Altstadt und man wurde förmlich, wie durch einen Strom, an den weißen Holzhäusern vorbeigeschoben. An ein innehalten, den Moment in sich aufzusaugen, war nicht nur Angesicht des erneut einsetzenden Regens zu denken. Es war buchstäblich kein Platz kurz stehen zu bleiben. Wir flüchteten schnell auf die andere Seite des Hafens, nur um festzustellen, dass die Situation dort ähnlich ist.
In der Innenstadt hat man sich jedoch schon auf den Ansturm der Kreuzfahr-Touristen vorbereitet. Es gab Filialen aller üblichen Fast-Food-Ketten direkt neben dem Anleger. Die Souvenirgeschäfte waren so in der Innenstadt verteilt, dass man das Gefühl hatte immer einen in Sichtweite zu haben. Diese verkauften den gewohnten Touristenbedarf – Biergläser in weiblichen Formen und mit norwegischer Flagge, die üblichen T-Shirts mit Wolf/Bär/Elch vor Polarlichtern oder auch Christbaumkugeln in Giraffenform. All das was man als Tourist halt so kauft…
Das Wetter wollte sich für uns immer noch nicht bessern. Der Wind blies durch die Gassen und wir konnten manchmal den horizontalen Regen nicht von der Gischt des Meeres unterscheiden. Wir resignierten. Zu unserem Glück öffnete das Norwegische Ölmuseum für uns seine Pforten (gegen Bezahlung des Eintrittspreises) und wir konnten der Feuchtigkeit einen Moment entfliehen. Nach den Ölfunden Ende der 1960er Jahre veränderte sich Stavanger grundlegend. Es entwickelten sich neue Behörden aber auch neue Möglichkeiten für die Bewohner. Der Erdölfund wurde zu einer Art Goldrausch in Norwegen, der auch viele Menschen aus anderen Ländern und Regionen anzog. Das Museum behandelt diesen gesellschaftlichen Wandel genauso wie die Art und Härte der Arbeit der Männer und Frauen, die auf den Bohrtürmen ihre Brötchen verdienten und die Auswirkungen auf Mensch und Natur, die das Erdöl mit sich brachte.
Nach dem Museumsbesuch war es für uns Zeit wieder weiterzuziehen. Unser nächster Halt sollte die Erklimmung des Preikestolens am folgenden Tag sein. Doch auch hier verfolgte uns das schlechte Wetter. Als wir unser Abendessen diesmal vorsorglich im trockenen Aufenthaltsraum zu uns genommen haben, hatten wir bemerkt, dass eine große Rauchwolke aus dem Sanitärhäuschen aufgestiegen war. Der Stromgenerator, der den Platz mit Strom versorgen soll war abgeraucht. Naja, es wird halt nie langweilig…

  • Stavanger | Norsk Oljemuseum
  • Stavanger | Norsk Oljemuseum Bohrköpfe - Drill Heads
  • Stavanger | Norsk Oljemuseum
  • Stavanger | Norsk Oljemuseum Älgbert im Steuerstand - Älgbert in the helm
  • Stavanger | Norsk Oljemuseum Notfallrutsche einer Bohrinsel - Emergency slyde of an oil rig
  • Stavanger | Sverd i fjell

Es geht bergauf!

Mittwoch, 27.Juli 2022

Endlich ging es bergauf! Nicht nur mit mit dem Wetter und unserer Stimmung, es ging buchstäblich für uns bergauf. Als wir früh von der Sonne gekitzelt und vom Lärm der Nachbarn aufgeweckt worden waren, konnten wir unseren Augen kaum trauen: Sonnenschein! Also, nicht wirklich Sonnenschein, aber zumindest kein Niederschlag und hin und wieder verirrte sich ein kräftiger Sonnenstrahl sogar bis zum Boden.
Wir waren mittlerweile schon zufrieden, wenn es ausnahmsweise mal nicht komplett schüttete. Von der Begeisterung beflügelt, die wir durch das Nichtvorhandensein von Niederschlag bekamen, starteten wir zur Besteigung des Preikestolen. Die Granitformation entstand vor etwa 10.000 Jahren durch Eisabsprengungen in der Eiszeit. Das Wasser gefror in den Ritzen und Spalten und sprengte so große und kantige Blöcke ab die der Gletscher einfach auf seinem Weg landauswärts mitnahm. Der Preikestolen ist somit das Ergebnis des reinen Zufalls, dass genau dieser Felsteil stehen blieb.
Für viele Norwegenbesucher ist der Preikestolen ein Pflichtpunkt auf deren Reise. Dies merkt man auch an den Besucherzahlen, da sich bei manchen Abschnitten lange Schlangen bilden können. Für uns war dies ein durchwegs seltsamer Anblick den wir so noch nie bei unseren Wanderungen gesehen hatten. Naturschützer kritisieren den großen Ansturm ebenfalls, da durch die hohe Anzahl an Besuchern die Natur, Wege und Infrastruktur hohen Ansprüchen und Belastungen ausgesetzt sind. Laut Wikipedia liegt der Tagesrekord vom 17. Juli 2019 bei 5.342 Besuchern. Wir hatten zwar nicht mitgezählt, aber die Besucheranzahl war auch bei unserem Besuch enorm. Zuerst hatten wir ziemliches Pech, denn als wir oben angekommen waren war alles in grauem Nebel verhüllt. Die Sichtweite lag bei wenigen Metern. Von der schönen Aussicht über den 40 Kilometer langen Lysefjord der etwa 600 Meter unterhalb der Felskante verläuft, war nichts zu sehen. Doch die Geduldigen werden meist belohnt werden und so eröffnete sich nach unserer Gipfeljause ein wunderschönes norwegisches Bergpanorama.
Abgesehen von den viel zu vielen Menschen auf dem Berg ist es dennoch eine wunderschöne, aber auch anstrengende Wanderung über etwa 3,8km und 330 Höhenmeter. Die Gesamtzeit die wir benötigten lag bei etwas über viereinhalb Stunden -> zwei Stunden rauf, Gipfeljause, zwei Stunden wieder runter. Durch die vielen steilen Anstiege auf dem Weg nach oben waren unsere Füße schwer geworden. Wir setzten unsere Reise zum Süden des Nordens weiter fort und machten an einem kleinen Campingplatz Halt. Der See schimmerte golden in der Abendsonne, unsere wolligen Nachbarn läuten ihre Glocken und wir konnten es kaum glauben, dass unser heutiges Abendmahl diesesmal nicht durch Regen verdünnt wurde. So soll es sein, so kann es bleiben.

  • Preikestolen |
  • Preikestolen |
  • Preikestolen |
  • Preikestolen |
  • Preikestolen |
  • Preikestolen | Lysefjord
  • Preikestolen |
  • Preikestolen | Gipfeljause - Summit snack
  • Preikestolen |
  • Preikestolen |
  • Preikestolen |

Innere Unruhe

Donnerstag, 28.Juli 2022

Wir sind an diesem Morgen erwacht und es hatte zum ersten Mal bei unserer Reise nicht geregnet. Die Sonne schien und die Schafe neben uns frühstückten glücklich auf ihrer Weide. Es kam der gesamten Abenteurergruppe gleichzeitig der selbe Gedanke: Wir sind zufällig in einer malerischen Idylle direkt an einem See stehen geblieben und wollten eigentlich noch gar nicht weiterziehen. Doch es gab noch so viel zu entdecken und viel zu wenig Zeit dafür. Somit packten wir wieder unseren Micro-Camper zusammen.
Nach unseren vergangenen Abenteuern mit unserem treuen Reisemobil sitzen schon alle Handgriffe. Er herrscht Arbeitsteilung und jeder weiß genau was zu tun ist um eine rasche Abreise gewährleisten zu können.
Der erste Stopp an diesem Tag war gar nicht weit von unserem Campingplatz entfernt, denn nach nur knapp einer halben Stunde Fahrt über wunderschöne Nebenstraßen erreichten wir den Ort Sogndalstrand. Der kleine Fischerort ist bekannt für seine alten weißen Holzhäuser, die sich sanft an den Hang schmiegen auf dem sie liegen. Im alten Hafenbecken beobachteten wir einige in die Luft springende Fische und badeten in der warmen Sonne. Nach den aufeinanderfolgenden kalten Regentagen war dies eine durchaus willkommen geheißener Genuss. Das Dorf ist zwar schön, aber auch sehr klein, wodurch sich unsere Aufenthaltsdauer die wir für die Erkundung benötigten nicht über eine Stunde hinaus ausdehnen ließ. Die beiden verlassenen Holzhäuser von Helleren lagen (fast) auf unserem Weg und wurden mit Erwartungen angesteuert. Leider waren diese Erwartungen des Älgbegleiters etwas zu hoch gegriffen. Nicht etwa, dass die beiden Holzhäuser nicht sehenswert gewesen wären, doch sollte der Älgbegleiter das nächste Mal etwas genauer die Wegbeschreibung beziehungsweise Beschreibung des Wunschzieles durchlesen. Denn anstatt einer gemütlichen kurzen Wanderung zu den Holzhäusern entpuppte sich der Fußmarsch zum Ziel als eher marginal. Vom Parkplatz bis zu den Häusern waren es keine hundert Meter anstatt der angenommenen Wegstrecke mit einer angenommenen Wegzeit von 15 Minuten. Somit war nach ein paar Schnappschüssen und dem Lesen der sehr informativen Informationstafeln auch dieses Ziel (leider) schnell abgehakt.

  • Sogndalstrand | Strandgaten
  • Helleren i Jøssingfjord |
  • Flekkefjord |
  • Flekkefjord |

Unter den Reisenden machte sich etwas Unmut breit, da alle eigentlich mit einer kleinen Wanderung gerechnet hatten. Diesen Unmut konnte nur der Geschmack von großen Eiskugeln eingepackt in Eiswaffeln lindern. Der Ort Flekkefjord, den wir ursprünglich gar nicht auf unserem Abenteuerradar hatten, bot dafür die beste Gelegenheit nach einem Eisfachverkäufer oder einer Eisfachverkäuferin Ausschau zu halten. Es stellte sich heraus, dass dies unser Glücksgriff des Tages wurde. Der kleine Ort besitzt nämlich eine wunderbare Altstadt mit ebenfalls alten weißbemalten Holzhäusern. Die sind jedoch so liebevoll geschmückt, dass sie mit Leichtigkeit mit den weißen Holzhäuser von Sogndalstrand und auch von Stavanger mithalten können. So schlenderten wir mit unseren Eiskugeln in der Eiswaffel zwischen den Holzhäusern umher und genossen den warmen norwegischen Sommertag.
Doch immer noch war eine gewisse Unruhe in der Abenteurergruppe zu spüren. Es musste gewandert werden! Wir hatten uns zuvor schon einige Ziele in einer GoogleMaps Karte gespeichert und mussten so nur aus unserer eigenen Auswahl wählen. Nur etwa 45 Minuten von Flekkefjord entfernt liegt der Wasserfall Skreliafossen und ein weiträumiges Wandergebiet. Wir dachten zumindest, dass der Wasserfall nur 45 Minuten entfernt sei. Die Routenführung lässt eine Bezeichnung „Straße“ kaum zu, obwohl wir festhalten wollen, dass der Zustand des Weges weitaus besser war als so manche Straße die wir in Island kennenlernen durften. Jedenfalls war unsere Anreise etwas länger als der Zeitvorschlag von GoogleMaps. Nichtsdestotrotz entschädigt der Anblick des Wasserfalles und das Wandergebiet, das wir aus Zeitgründen nur sehr wenig bewandern konnten. Dennoch raten wir von einer Befahrung der Schotterstraße mit großen Wohnmobilen oder überlangen Anhängergespannen ab.

  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |
  • Skrelifallan Lyngdal |

Der Micro-Camper in eine zarte Staubschicht durch die Befahrung der Schotterstraße gehüllt, machten wir uns auf weiter in den Süden des Nordens zu fahren. Das Nachtlager wird nur unweit des südlichsten Punktes von Norwegen aufgeschlagen und wir lassen den Abend mit kühlen Getränken am Kanelstrand (z.dt. Zimtstrand) ausklingen. Wir hoffen, dass sich das Wetter morgen genauso von seiner sonnigen Seite zeigt wie heute und sind gespannt was wir erkunden dürfen.

  • Kanelstranden | Älgbert sonnt sich - sunbathes
  • Kanelstranden | Älgbert nützt die Sonnenstrahlen und stürzt sich ins kalte Nass - Älgbert takes advantage of the sun's rays and plunges into the cold water
  • Kanelstranden |
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Der Süden des Nordens – Teil 1

Freitag, 29.Juli 2022

Wir hatten eine ruhige Nacht in einem kleinen Nadelwäldchen nahe der Küste verbracht, doch hatten wir noch eine Mission zu erfüllen. Wir wollten zum Süden des Nordens fahren. An diesem Tag ist uns zumindest ein Teilerfolg gelungen, denn wir erreichten den südlichsten Punkt Norwegens beim Leuchtturm Lindesnes.
Der Lindesnes Fyr ist Norwegens ältester und südlichster Leuchtturm. Im Jahr 1655 wurde hier das erste Mal das Leuchtfeuer entzündet, doch schon nach kurzer Zeit erlosch es wieder aufgrund sehr schlechter Planung. Die benötigten Materialien, die für den Bau und Betrieb des ersten Leuchtturmes benötigt wurden, kamen viel zu spät an, sodass der erste Leuchtturmmeister improvisieren musste. Anstatt einen Turm mit Kohlebefeuerung (die Kohle sollte aus England angeliefert werden) zu errichten wurde eine Holzkonstruktion improvisiert an deren Spitze 30 Kerzen hinter Bleiglas brannten. Die unzureichende Beleuchtung führte natürlich schnell zu vielen Beschwerden, wodurch man sich genötigt sah, den Betrieb schnell wieder einzustellen. Erst knapp 70 Jahre später erfolgte ein erneuter Versuch einen Leuchtturm an der wichtigen Landmarke für Seefahrer zu errichten – dieses Mal aber dafür anständig.
Zumindest versuchten sie es dieses Mal richtig zu machen, denn die neue Konstruktion sah nur große Feuerschalen vor, die mit Kohle unter freiem Himmel abbrannten. Dafür aber auch gleich in zweifacher Ausführung, da auf einer nahegelegenen Landzunge ebenfalls ein Leuchtfeuer angezündet wurde. Es dauerte wiederum fast einhundert Jahre bis erkannt wurde, dass offene Kohlefeuer eigentlich ziemlich ineffizient waren. So wurden beide Feuer 1822 zu einem geschlossenen Kohlefeuer umgebaut und schlussendlich wurde 1844, als sich nochmal jemand den Kohleverbrauch näher angesehen hatte, das zweite Kohlenfeuer auf der nahegelegenen Landzunge abgebaut. Als die Kohlerechnung immer noch viel zu hoch ausfiel, entschlossen sich die Betreiber zu einer Modernisierung und der Turm in Lindesnes wurde 1854 mit einer Dochtlampe, die mit Paraffin betrieben wurde, und einer Linse ausgestattet. 1915 zog die Linse in einen neugebauten Gusseisenturm um und bekam nach dem Bau des Maschinenhauses und Nebelwarnhornes 1920 die heutige Form.

  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr |
  • Lindenes Fyr | Im Zweiten Weltkrieg wurden unter dem Leuchtturm Verteidigungsstollen gegraben. heute beherbegen sie eine Kunstaustellung. - During the Second World War, defense tunnels were dug under the lighthouse. Today they house an art exhibition.

Die letzte größere Umgestaltung übernahmen die Deutschen als sie ab 1940 Norwegen besetzten und an der gesamten norwegischen Küste ihre Verteidigungsanlagen bauten. Der gesamte Felsen auf dem der Leuchtturm steht wurde unterhöhlt und mit Bunkern bebaut. Unsere Weiterreise führte an diesem Tag zu einem weiteren Brachialbau der deutschen Besatzer im nahe gelegenen Kristiansand. Die Stadt war eine der ersten die im Zuge der Operation Weserübung von der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eingenommen wurde. Die strategische Lage und der Umstand, dass auf der anderen Seite in Dänemark ebenfalls deutsche Soldaten das Land besetzten, machten Kristiansand zu einer sehr wichtigen Position die von der Organisation Todt sehr stark befestigt wurde. Hier wurde beschlossen eine Batterie mit dem Kaliber 38cm in Møvik und auf der kürzesten Entfernung zu Dänemark (circa 116km) in Hanstholm zu errichten. Die Gesamtanlage sollte aus mehreren großen Kanonenstellungen auf den Bergrücken betoniert werden. Laut den Museumsbetreibern befindet sich hier mit ihren 337 Tonnen Gewicht die zweitgrößte Kanone der Welt ist. Die Ausmaße der einzelnen Bunker sind enorm und für den Betrieb der Batterie wurden etwa 600 Soldaten benötigt. Wenn doch nur halb so viel Energie in wichtigere Dinge gesteckt werden würden als in die gegenseitige Vernichtung in einem Krieg…

  • Kristiansand Cannon Museum |
  • Kristiansand Cannon Museum |

Ta det med ro – Es ruhig angehen lassen

Samstag, 30.Juli 2022

In der vergangenen Nacht lauschten unsere Ohren gespannt der Umgebung. Unser Campingplatz lag diesmal etwas abseits an einem kleinen Teich mit einem kleinen Bächlein, das vorbeifloss. Während wir die gestrigen Zeilen in der Dunkelheit schrieben, hörten wir plötzlich ein lautes Geräusch, so als ob etwas schweres ins Wasser gefallen wäre. Die nächtlichen Geräusche hinter unserem Micro-Camper ließen uns unsere Stirn- und Taschenlampen suchen – doch nichts war zu sehen. Man hörte einzig hie und da ein leichtes plätschern, als ob sich was im Wasser bewegt hätte. Und Kaugeräusche, man hörte eindeutig laute Kaugeräusche. Das wird doch kein Elch gewesen sein!?
Als wir bei Tagesanbruch, also so gegen zehn Uhr, aus unserem Reisemobil geklettert sind und uns den Sand aus den Augen rieben, konnten wir jedoch keine Spur entdecken die auf den nächtlichen Besucher hingewiesen hätte. Wir machten es uns auf unseren Campingstühlen hinter dem Reisemobil gemütlich und dachten darüber nach wie der neue Abenteuertag am besten genutzt werden könnte. Einer der Fixpunkte unserer Reise wäre die Besteigung des Gaustatoppens, doch dafür muss unbedingt das Wetter mitspielen. Ein Blick auf den Wetterbericht erhellte nicht gerade unsere Stimmung. Genau an dem Tag an dem wir die Erstbesteigung des Gaustatoppen durch einen Abenteurerälg geplant gehabt hätten ist das Wetter wieder einmal mieserabel. Uns blieb also nur übrig unseren sorgfältig durchdachten Plan erneut komplett über den Haufen zu werfen und zu improvisieren.
Zuallererst musste unser Wasservorrat wieder aufgestockt werden, denn dieser leerte sich kontinuierlich im Laufe unserer Reise. Auch an Getränken musste der Lagerstand auf einen Soll-Zustand angeglichen werden. Dabei entdeckte einer der Reisegruppe eine seltsame orangenfarbene Dose die vertraute Erinnerungen weckte: APPELSÍN. Dabei handelt es sich um ein orangengeschmacksähnliches zuckerhaltiges Getränk aus Island, das wir auf unserem Abenteuer dort lieb gewonnen haben. Wir sind durchwegs erstaunt dieses Getränk hier in Norwegen zu finden.
Nachdem wir unsere Vorräte aufgestockt hatten, wollten wir noch dem kleinen Ort Lillesand, in dessen Umgebung wir übernachteten, einen Besuch abstatten. Der Ortskern mit den alten weißen Holzhäusern lädt zum Verweilen ein, das wir dann auch im Zuge eines Mittagessens taten. Der Fisch beziehungsweise die Fischsuppe die wir aßen, schmecken halt doch direkt beim Meer besser. Der Tag war nun schon halb vergangen und immer noch hatten wir keine adäquate Improvision bei der Hand. Der nächtliche Besuch hatte uns ebenfalls noch nicht in Ruhe gelassen. Könnte es sich wirklich um einen Elch gehandelt haben? Nun wussten wir was wir mit dem restlichen Tag anstellen wollten: Wir wollen einen Elch sehen! Doch, wo sollten wir anfangen zu suchen? Hier kam uns das Internet zu Hilfe das uns auf unsere Frage, wo denn Elche in Norwegen leben würden in etwa antwortete: Überall – nur nicht in dicht bebauten Gebieten. Naja, mit der Information kann man ja mal arbeiten. Wir fuhren also in den Norden, denn im Süden war ja nicht mehr viel Norwegen. Bei Viltgården in der Nähe von Iveland wurden wir fündig. In einem Waldstück nur unweit der kleinen Schotterstraße stand sie in voller Pracht und wartete nur darauf von unserer Photolinse eingefangen zu werden. Welch Glück wir doch hatten, wären wir doch fast an ihr vorbeigegangen. Der Tag war jedoch durch die Elchsuche schon weit fortgeschritten. Eine Wanderung ließ die Uhrzeit kaum mehr zu, so beschlossen wir weiterzuziehen und uns einen Platz zum Übernachten zu suchen. So saßen wir abends wieder unweit eines Sees, tippten ein paar Zeilen für unseren Blog auf Polarsteps und tranken genüsslich unser erstandenes orangengeschmacksähnliches Getränk aus Island. Der Wetterbericht für den kommenden Tag sagte kein gutes Wetter voraus. Mal schau’n…

  • Norwegen | Gut versteckt, sieht man nur die Ohren des Elches - Well hidden, you can only see the ears of the moose
  • Norwegen | Doch mit viel Geduld kann man Elche in der Natur Norwegens entdecken. - But with a lot of patience you can discover moose in Norway's nature.
  • Norwegen | Elche sind wahre Versteckkünstler. - Moose are true masters in hiding.
  • Norwegen | Älgbert versteckt sich am liebsten in den vielen lila Blumen. - Älgbert likes to hide in the many purple flowers.

Eisen

Sonntag, 31.Juli 2022

Der Wetterbericht hatte eigentlich vorausgesagt, dass es seit dem Morgen regnen sollte, doch zu unserem Erstaunen erwachten wir erneut bei strahlendem Sonnenschein. Durch unsere spontane Planänderung mussten wir an diesem Tag nicht allzu bald aufstehen, denn aufgrund der Wettervorhersage planten wir einen Museumsaufenthalt, und diese sperren in Norwegen durchwegs eher etwas später auf. Unser Ziel war das ehemalige Eisenwerk und heutige Næs Jernverksmuseum. Der Bergbau und die Herstellung von Metallen hat in Skandinavien eine über 1000 jährige Geschichte. Schon die Wikinger vermochten es hervorragende Gegenstände aus Metall herzustellen. Die typische rote Farbe der Häuser, genannt Falunrot, wird zum Beispiel aus Pigmenten aus dem Abraum eines Kupferbergwerkes hergestellt. Seit dem Anfang des 17.Jahrhunderts wird aus dem mageren Kupfererz, das als Abraum bei der Kupfermine in Falun (SWE) angefallen ist, durch brennen und Beimengung von zum Beispiel Roggenmehl die markante Farbe als Nebenprodukt hergestellt. Zuerst hauptsächlich aufgrund der günstigen Kosten beliebt, verbreitete sich ab dem 19. Jahrhundert die Farbe in allen Gesellschaftsschichten in ganz Skandinavien und ist auch heute vor allem im ländlichen Gebiet die vorherrschende Farbe bei Holzbauten. Das Næs-Eisenhüttenmuseum verarbeitete jedoch, wie der Name vermuten lässt, Eisenerz und das durchgängig seit dem Jahr 1665 bis zum Jahr 1959 als eine Flut den Staudamm, der das Werk mit Wasserkraft versorgte, zerstörte und ein Wiederaufbau unrentabel war. Die meisten Industriegebäude, einschließlich Maschinen und Ausrüstung, sowie einige der Arbeiterhäuser sind erhalten oder wurden für den Museumsbetrieb rekonstruiert. Heute ist die alte Eisenhütte ein einzigartiges Museum, da nirgendwo sonst so lange mit den alten Werkzeugen gearbeitet wurde und dadurch auch kein zweiter so authentischer Ort existiert. Manche Arbeitsplätze wirken auch nach über 60 Jahren nachdem die Arbeit niedergelegt wurde so, als ob die Arbeiter morgen wieder zur Arbeit erscheinen würden. Die Maschinenhalle ist mit originalen Werkzeugen gefüllt und man spürt die frühindustrielle Bedeutung für die Region bei jedem Schritt durch die alten Gebäude. Die Produktpalette des NæsVerk reichten von einfachen Prammen zur Weiterverarbeitung, über Halbzeuge (Rundstäbe, Profile,…), Zäune und Öfen aus Gusseisen bis zu komplexen Bearbeitungsschritten wie etwa Zahnräder, Schneckengetrieben oder Kanonenläufe. Erstaunlich was die Menschen damals schon hochpräzise ohne CNC-Steuerung fertigen konnten.

  • Næs Jernverksmuseum | Die Gebäude wurden viele Jahre zur Eisenverarbeitung genutzt. - The buildings were used for iron processing for many years.
  • Næs Jernverksmuseum | Zu den Erzeugnissen zählten auch kunstvolle Gusseisenöfen. - The products also included artistic cast iron stoves.
  • Næs Jernverksmuseum | Die meisten ausgestellten Werkzeuge und Maschinen sind Originale aus vergangener Zeit. - Most of the tools and machines on display are originals from bygone times.
  • Næs Jernverksmuseum | Manche Werkstätten wirken so, als ob die Arbeiter nur kurz Mittagspause machen würden. - Some workshops look as if the workers are only taking a short lunch break.
  • Solberg gruve | Das Gestein enthält so viel Eisen, dass der Magnet einfach daran haften bleibt. - The rock contains so much iron that the magnet simply sticks to it.

Nur ein paar Kilometer entfernt liegt die Solberg gruve, ein altes Bergwerk das das Eisenwerk mit dem benötigten Eisenerz versorgte. Wir entschlossen uns unsere Erkundung des Südens des Nordens untertage weiterzuführen. Dort wurde uns erklärt, dass die Mine ungefähr zeitgleich mit dem Eisenwerk vor etwa 300 Jahren erschlossen wurde und bis in die 1860er Jahre in Betrieb war und reichlich Eisenerz lieferte. Aus bis zu 180 Metern Tiefe wurde das Rohmaterial mit Hilfe von Muskelkraft und Schießpulver aus dem Berg gefördert. Um kein teures Schießpulver zu verschwenden verwendeten die Bergleute einen einfachen Trick indem sie an der gewünschten Stelle ein Feuer entzündeten und so durch die Wärmeausdehnung des Steines an dieser Stelle das Material brüchig wurde. So konnte pro Monat ein Vortrieb von etwa 1-3 Meter gewährleistet werden. Wir mussten unsere Weiterreise antreten, denn durch die unplanmäßige Planänderung mussten wir heute eine weite Wegstrecke hinter uns bringen. Die größte Stabkirche Norwegens in Heddal, die auf unserem Weg lag, hatte leider schon geschlossen. Daher hatten wir nur die Möglichkeit das Äußere des imposanten Holzgebäudes aus dem 13.Jahrhundert bestaunen zu dürfen. Am Ufer des Sees Tinnsjå haben wir für diese Nacht unseren Micro-Camper in Stellung gebracht um morgen den nahegelegenen Gaustatoppen besteigen zu können. Die Wettervorhersage für den kommenden Tag war uns gnädig gestimmt. Doch, wie konnte es auch anders sein, hatte es just in dem Moment zu regnen begonnen als wir uns wieder einmal zu unserem Abendmahl setzen wollten.

Heddal Stavkirke | Die größte Stabkirche Norwegens bei Heddal mit ihrem steilen Staffeldach und kunstvollen Holzarbeiten stammt aus dem 13.Jhd. - Norway's largest stave church near Heddal, with its steep stepped roof and artistic woodwork, dates back to the 13th century.
Heddal Stavkirke | Die größte Stabkirche Norwegens bei Heddal mit ihrem steilen Staffeldach und kunstvollen Holzarbeiten stammt aus dem 13.Jhd. – Norway’s largest stave church near Heddal, with its steep stepped roof and artistic woodwork, dates back to the 13th century.

Gaustatoppen

Montag, 1.August 2022

Der Blick durch unsere Fenster war diesen Morgen von Spannung erfüllt. Wir benötigten unbedingt gutes Wetter um das heutige Tagesziel erreichen zu können. Sonnenschein! Wir erblickten Sonnenschein! Der Wettergott erhörte unser Flehen zumindest an diesem Tag das Regnen sein zu lassen. So konnte unsere Erkundung des Berges beginnen.
Der Gaustatoppen ist mit seinen 1883 Metern Höhe der höchste Berg der Region Telemark. Seine Entstehung und seine besondere Form verdankt er der Gletscherwanderung der Eiszeit und dem Material aus dem er besteht. Der Gaustatoppen erhob sich mehrere hundert Meter als „Nunatak“ (=isolierter Felsen) während der letzten Eiszeit aus der Eislandschaft heraus. Über Jahrtausende hinweg bearbeitete der Gletscher und das Schmelzwasser den Berg und eine Masse an losen Steinen häufte sich an dem Berg an. Fester Quarzit, als einer der härtesten Gesteine, blieb bestehen und bildet heute den Berggipfel des Gaustatoppens. In dem Felsenmeer, das sich auf dem Berg gebildet hat, findet man immer wieder Gesteine, die an Sandstrände erinnern. Tatsächlich handelt es sich hier um 1200 Millionen Jahre alte Sandablagerungen die im Laufe der Zeit versteinert wurden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Gaustatoppen einst von Meer umspült war. Vielmehr haben diese versteinerten Strände die Gebirgsbildung und Eiszeiten überdauert und können nun auf etwa 1700 Meter Seehöhe bewundert werden.
Der einfachste Weg auf den Gaustatoppen startet beim Parkplatz Stavsro den wir natürlich nicht genommen hatten. Der viel steilere Aufstieg unserer Wahl startete bei der Talstation der 1959 für das Militär gebauten Gaustabanen. Der Gipfel wurde nämlich aufgrund seiner Höhe und strategischen Lage im Kalten Krieg als Radar- und Funkstation genutzt. Am Anfang war der Weg nur steinig uns schwer, doch nach dem ersten Anstieg und kurzem flachen Stück wurde der Weg für uns auch noch sehr steil. Die losen Steine erforderten von uns immer mehr Konzentration. Die Waden brannten mit jedem Schritt, doch der Ausblick entschädigte uns für unsere Mühen. Ein kleines Stück Schnee, die aufgeschichteten Steinwegweiser und Hunde die uns überholten spornten uns an bis zum Gipfel durchzuhalten. Oben angekommen erwartete uns das größte Bergpanorama Norwegens. An der Spitze des Gaustatoppens hat man bei schönem Wetter eine Weitsicht über etwa einem Sechstel des Landes – im Süden bis zum Meer und im Osten bis nach Schweden, wurde uns zumindest gesagt. Wir konnten beides nicht mit unseren Augen erblicken. Vielleicht hätte es dafür geeignete Ferngläser gebraucht. Ins Tal wollten wir etwas schneller als beim Aufstieg und wählten daher die Gaustabanen. Laut Plan hätten wir in etwa 30 Minuten wieder im Tal sein sollen, doch aufgrund der schieren Anzahl an Sonntagsausflüglern (obwohl eigentlich Montag war), die wohl alle mit der Bahn nach oben gefahren zu sein schienen, wollten auch damit wieder runter. Die Wartezeit für die in der Kapazität begrenzten Bahn war jedoch so lange, dass wir zu Fuß wohl schneller wieder unten gewesen wären. Erst um etwa 17:32 konnten wir unsere Weiterreise fortsetzen. Viel zu spät, denn eigentlich wollten wir noch über die schwedische Grenze fahren um morgen ziemlich bald bei unserem nächsten Zwischenstopp auf unserer Entdeckungsreise anzukommen.
Der Wettergott dürfte jedenfalls nicht mit unserer Leistung zufriedengestellt worden sein, denn kaum hatten wir unseren Platz für die Nacht eingenommen, begann es wieder sehr stark zu regnen. Naja, mittlerweile sind wir’s ja gewohnt…

  • Gaustatoppen | Schon bei der Anfahrt merkt man wie beeindruckend der Berg in der Landschaft steht. - As you approach, you notice how impressive the mountain is in the landscape.
  • Gaustatoppen | Auf ungefähr der Hälfte des Weges verschwindet die Vegetation völlig und man wandert durch eine Geröllwüste. - About halfway along the trail, the vegetation disappears completely and you walk through a scree desert.
  • Gaustatoppen | Der Blick ins Tal belohnt jedoch jeden mühsam erkämpften Höhenmeter. - However, the view into the valley rewards every hard-won meter of altitude.
  • Gaustatoppen | Nach so einem anstrengenden Aufstieg ist es umso belohnender sich in die Sonne legen zu können. - After such a strenuous climb, it is all the more rewarding to be able to lie in the sun.
  • Gaustatoppen | Am Gipfel des Berges wurde eine Säule aus allen in Norwegen auffindbaren Gesteinsarten gebaut. - At the top of the mountain, a pillar was built from all types of rock found in Norway.
  • Gaustatoppen | Die Geröllfelder bestehen aus einem versteinerten Sandstrand. - The scree fields consist of a petrified sandy beach.
  • Gaustatoppen | Von der Spitze des Gaustatoppen kann man bei gutem Wetter fast ein Drittel Norwegens sehen. - From the top of Gaustatoppen you can see almost a third of Norway in good weather.
  • Gaustatoppen | Von der Spitze des Gaustatoppen kann man bei gutem Wetter fast ein Drittel Norwegens sehen. - From the top of Gaustatoppen you can see almost a third of Norway in good weather.
  • Gaustatoppen | Das Militär baute im Kalten Krieg eine Bahn in den Berg um leicht Material und Personen zur Radaranlage am Gipfel zu bringen. Wer nicht wandern möchte, kann diese Bahn ebenfalls benutzen. - During the Cold War, the military built a railway into the mountain to easily transport material and people to the radar station at the summit. Anyone who doesn't want to hike can also use this train.
  • Norwegen | Spektakulärer Sonnenuntergang auf unserem Campingplatz in Svelvik - Spectacular sunset at our campsite in Svelvik

Välkommen till Sverige

Dienstag, 2.August 2022

Wir hatten in den vergangenen Tagen in Norwegen viel erleben dürfen. Bei unserer Ankunft wurden wir schon freundlich von einem Grenzpolizisten begrüßt, aßen Fischsuppe in alten Kontorhäusern, sahen einen norwegischen Elch, flogen um einen Leuchtturm, haben viele weiße Holzhäuser und fantastische Wasserfälle fotografiert, konnten den ein oder anderen Berg erklimmen und stiegen tief hinab in ein Bergwerk. All das komprimiert in knapp über einer Woche. Wir hatten so viel gesehen und erlebt und dennoch haben wir in der Zeit nur ein Bruchstück kennenlernen dürfen. Viel mehr hätte es zu sehen gegeben, doch es war einfach zu wenig Zeit. Dies ist ein klares Zeichen, dass wir wiederkommen müssen um unsere Erkundung durch Südnorwegen fortsetzen zu können. Doch es war für uns die Zeit der Weiterreise gekommen.

Wir verließen Norwegen in Richtung des Nachbarlandes Schweden, jedoch nicht ohne zuvor noch reichlich Proviant einzupacken. Auf all unseren Reisen und Abenteuern erkunden wir nicht nur die Landschaft und Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Märkte und die Waren die dort feilgeboten werden. Um uns später Urlaubsmomente gönnen zu können, wenn wir schon wieder längst zuhause und im Alltag angekommen sind, hatten wir unser Reisemobil mit allerhand Backwaren, Süßigkeiten und Getränken aus Norwegen vollgepackt, die wir bei diesem und vorhergehenden Abenteuern kennen und lieben gelernt hatten.
Die Grenze zu Schweden wurde relativ unspektakulär überschritten. Lediglich ein kleines Schild zeigte uns, dass wir den Landeswechseln vollzogen hatten. Nach einigen langen Kilometern Fahrt entdeckte die Älgbegleiterin ein kleines schwarzes Schild am Rande der Straße: Älgpark 3km
Unser Sitzfleisch und unsere Nerven schon genug strapaziert, entschlossen wir uns zu einem kurzen Abstecher um uns in diesem Zuge die Beine etwas zu vertreten und mehr von diesen nordischen Waldbewohnern zu Gesicht zu bekommen. Im „Moose af Anneröd“-Park angekommen wurde uns sogleich ein Korb mit frisch geschnittenen Äpfeln mit auf den Weg gegeben um damit die Elche anzulocken und bestenfalls zu füttern. Der Park ist eher von kleiner Größe, jedoch befinden sich laut Aussage der überaus netten und engagierten Mitarbeiterin zehn Elche auf dem Gelände. Selbst mit unseren suchenden Blicken und viel Geduld war es uns jedoch nur möglich fünf der Tiere auszumachen. Die Äpfel die uns mitgegeben wurden, waren jedoch für die Elche nur von minderem Interesse. Es werden wohl schon zu viele Besucher mit Äpfeln an ihnen vorbeigezogen sein. Nach etwa einer Stunde der Erkundung des Rundweges im Älgpark ging es weiter zu unserem nächsten Übernachtungsplatz in der nähe von Göteborg. Dieses mal jedoch nicht in unserem Micro-Camper, sondern wir übernachten in einem richtigen Hotel. Nach über einer Woche in der es fast jeden Tag geregnet hatte, wollten wir zwischenzeitlich wieder einmal den Luxus einer heißen Dusche und eines weichen Bettes auskosten. Zur Belohnung gönnten wir uns auch noch ein 4-Gänge-Menü im Hotelrestaurant. Natürlich hatte es, wie könnte es auch anders sein, bei unserer Ankunft zu regnen begonnen. Doch diese Nacht kümmert uns dieser Umstand ausnahmsweise nur wenig. Morgen wird ein aufregender Tag für den Älgbegleiter. Wir sind (fast alle) sehr gespannt was uns erwarten wird.

  • Norwegen | In Südnorwegen wachsen erstaunlich viele Obstbäume. - A surprising number of fruit trees grow in southern Norway.
  • Norwegen | Grenze zu Schweden - Border with Sweden
  • Moose af Anneröd | Diese Elchdame liegt entspannt im weichen Bodenbewuchs des Waldes. - This female moose lies relaxed in the soft ground cover of the forest.
  • Moose af Anneröd | Ein Elchbulle kann bis zu 600kg wiegen. - A bull moose can weigh up to 600kg. (approx. 1320 pounds)
  • Moose af Anneröd | Ein freundlicher kleiner Elch grüßt von einer Brücke im Elchpark. - A friendly little moose greets you from a bridge in the moose park.
  • Moose af Anneröd | Älgbert mag Elche. - Älgbert likes moose.

Ich rolle!

Mittwoch, 3.August 2022

Heute ist endlich der Tag gekommen auf den der Älgbegleiter schon so lange gewartet hat. Unsere Unterkunft lag nur etwa eine halbe Stunde Autofahrt westlich von Göteborg. In der zweitgrößten Stadt Schwedens gibt es viel zu sehen, hauptsächlich etwa einen großen Schiffsanleger für Fähren oder auch eine große Ölraffinerie. In der Stadtmitte befinden sich auch Überreste einer Festungsanlage, eine Oper, schöne Häuser, weniger schöne Häuser und das größte jemals in Skandinavien gebaute Großsegelschiff. Doch dafür ist Göteborg eigentlich nicht allzu bekannt. Zwar gibt es eine Kaffeeszene ähnlich der in Wien, doch ein Sprichwort besagt, dass in Göteborg keine Gedichte, sondern Rechnungen geschrieben werden. Dieses Sprichwort kommt auch nicht von ungefähr, da die Stadt früher für Schweden aufgrund des Seehandels sehr bedeutend war. Durch die Nähe zu Dänemark-Norwegen (die Grenze verlief dazumal nur unweit von der Stadt entfernt) wurde sie auch zur meist befestigten Stadt in Schweden ausgebaut. Die Schwedische Ostindien-Kompanie hatte hier ebenso ihren Sitz wie auch der Hauptumschlagplatz schwedischer Waren mit Großbritannien als dieses von Napoleon mit einer Seeblockade am Handel gehindert worden ist. Nach Napoleons Fall im Jahre 1815 wurde auch die Handelsblockade gelöst und der Hafen Göteborgs verlor an Bedeutung. Die Schwedische Ostindien-Kompanie verzeichnete weit weniger Handelsvolumen und viele Betriebe mussten Konkurs anmelden. Erst der Bau des Göta-Kanals brachte wirtschaftliche Impulse. Dieser verbindet Göteborg mit der Ostsee über die Süßwasserseen Vänern und Vättern und muss über viele Schleusen etwa 100 Meter Höhenunterschied ausgleichen. Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelte sich ebenfalls eine Werftindustrie und zu Beginn des 20.Jahrhunderts kamen weitere exportausgerichtete Industriezweige hinzu. Den größten Beitrag zu dieser Entwicklung dürfte eine große Textilfabrik beigetragen haben. Durch den lehmhaltigen Boden senkte sich das Gebäude und die Kugellager der Webstühle nutzten sich durch diese Schieflage einseitig ab. Dieses Problem erforderte eine schnelle und ideenreiche Lösung, die ein junger Ingenieur mit der Idee des Pendelkugellagers fand und gleich patentieren ließ. Für die Herstellung wurde 1906 eine eigene Gesellschaft gegründet, die AB Svenska Kullagerfabriken (SKF). Das Pendelkugellager wurde schnell zu einem schwedischen Exportschlager, doch während der Finanzkrise der 1920er-Jahre brach auch die Nachfrage nach Wälzlagern drastisch ein, sodass ein neues Betätigungsfeld gefunden werden musste.

  • World of Volvo | Der wichtigste Schreibtisch in der Volvo-Geschichte, der des Gründers der Firma. - The most important desk in Volvo history, that of the company's founder.
  • World of Volvo | Ein früher Volvo-Bus (Volvo LV45, 1928) der im Liniendienst eingesetzt wurde. - An early Volvo bus (Volvo LV45, 1928) that was used in regular service.
  • World of Volvo | Älgbert sitzt in einem Volvo P1800 in seiner Größe. - Älgbert sits in a Volvo P1800 his size.
  • World of Volvo | Volvo fuhr als einziger Hersteller mit einem Kombi (Volvo 850 Estate BTCC, 1994) in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft. - Volvo was the only manufacturer to enter an estate car (Volvo 850 Estate BTCC, 1994) in the British Touring Car Championship.

Im Jahre 1924 aßen die beiden SKF-Ingenieure Assar Gabrielson und Gustaf Larson gemeinsam einen Fisch und nach langen Gesprächen über das Wetter wurde der Gesprächsfokus bald auf eine gemeinsame Leidenschaft der beiden gelenkt: Sie wollten gemeinsam das erste Automobil in Schweden bauen. Schon im Herbst 1924 wurde mit der Konstruktion begonnen und 1926 wurden die ersten Testfahrzeuge gebaut. Die schwedische Automarke „Volvo“ war somit geboren. Wir waren am heutigen Tage zur Freude und zum Leidwesen mancher Älgbegleiter im Volvo-Museum. Das Museum öffnet unter der Woche um zehn Uhr und schließt um 17 Uhr. Wir benötigten (fast) die gesamte Öffnungsdauer um alle Exponate der interessanten Ausstellung zu studieren. Wie auch schon in Malta oder im Peugeot Museum, nur um zwei Beispiele zu nennen, musste unser abenteuerlustiger Reiseälg jedes Fahrzeug von allen Seiten begutachten. Wie so mancher Autofahrer vor allem in Skandinavien wohl schon bemerkt hat, sind Älgs sehr autointeressiert. Meist jedoch zum Leidwesen der Autofahrer wenn auf einmal ein 600kg schwerer Elch auf der Straße steht, weil er das vorbeifahrende Auto ganz genau unter die Lupe nehmen möchte. Im Museum ist dies jedoch zuweilen kein Problem, da die Exponate in den meisten Fällen still stehen und so ohne Gefahr für den nicht vorhandenen Fahrer beziehungsweise nicht vorhandene Fahrerin, Älgs oder Autos von allen erdenklichen Richtungen und Winkeln betrachtet werden können. Im Volvo-Museum gibt es davon vieles zu sehen, denn in den Jahren 1927 bis heute stellte die Firma viele verschiedene Autos, LKWs, Busse und Baumaschinen her. Diese sind in chronologischer Reihenfolge mit vielen interessanten Informationen für die Besucher bereit mit einem photografischen Apparat abgelichtet zu werden. Für nicht ganz so interessierte Älgbegleiterinnen gibt es in jedem Ausstellungsraum Sitzmöglichkeiten und pädagogisch wertvolle Ausprobierstationen (für Kinder) die etwaige aufkommende Langeweile schnell verfliegen lassen. Als auch der letzte LKW von allen Seiten von unserem Reiseälg begutachtet wurde (eigentlich war es eher der Älgbegleiter, der bei allem so lange benötigte) verließen wir über den unbedingt notwendigen Shop das Museum. Es fiel dem Älgbegleiter sichtlich schwer keine monetäre Transaktion zu tätigen und ein ästhetisch ansprechendes Wandbild eines Volvo 740 GLE für zuhause mitzunehmen. Die Älgbegleiterin sagte nein…
Den Abend ließen wir für uns eher untypisch im Hotel ausklingen, nachdem wir im hoteleigenen Restaurant sehr vorzüglich dinierten, und bei der ein oder anderen Partie Billiard und Shuffle-Board das ein oder andere Gläschen leerten. Am kommenden Tag werden wir wieder typischere Aktivitäten unternehmen – versprochen!

Schweden | Älgbert probiert zum ersten Mal Shuffle Board zu spielen. - Älgbert tries playing shuffle board for the first time.
Schweden | Älgbert probiert zum ersten Mal Shuffle Board zu spielen. – Älgbert tries playing shuffle board for the first time.

Ab in den Süden!

Donnerstag, 4.August 2022

Am vergangenen Abend hatten wir uns quer durch die Getränkekarte probiert. Nur durch diese Vorgehensweise war es uns möglich das gefälligste Getränk herauszufiltern und um festzustellen, dass dieses in Sichtweite vom Hotel hergestellt wird. Da wir heute wieder weiterreisen mussten, legten wir also schon nach nicht einmal zehn Minuten Fahrt unseren ersten Zwischenstopp bei der kleinen Brauerei Rådanäs ein. Das eigentliche Ziel war es ein paar der bekömmlichen Erzeugnisse in Flaschenbehältnissen für den Eigenbedarf mit nach Hause zu nehmen. Doch aufgrund der derzeitigen Ferienzeit und daraus resultierenden Unproduktivität der Brauerei war das Lager schon dermaßen erschöpft, dass leider keines der Hopfengetränke mitgenommen werden konnte. Stattdessen wurde uns von den zwei verbliebenen Mitarbeitern spontan eine Führung durch ihre Produktion und Erklärung der einzelnen notwendigen Schritte angeboten. Auf Nachfrage ob sie ihre Produkte auch verschicken würden, wurde uns leider gesagt, dass dies derzeit noch nicht angeboten wird und man daher bei ihnen vor Ort vorstellig werden müsste. Nach einem sehr freundlichen Gespräch wurde uns vorgeschlagen das örtliche Systembolaget aufzusuchen, da dort definitiv noch Flaschen verfügbar sein müssten. Wir verabschiedeten und bedankten uns für diese spontane Gastfreundlichkeit und fuhren los, denn wir wollten unbedingt für spätere Urlaubserinnerungen ein paar Fläschchen mitnehmen.
Für die Angestellten der Systembolaget, die wir im Laufe unserer Abenteuer besucht haben, muss unser Besuch immer für Schmunzeln sorgen. Wir schleichen wahllos durch die Gänge und nehmen alles mit, was aus dem jeweiligen Land kommt und ein schönes Ettikett hat. Mit einem ganzen Einkaufsbeutel voller Bier, Cider, manchmal ein paar Säften und einem breiten Grinsen in unseren Gesichtern verlassen wir für gewöhnlich das Geschäft. Als alle Einkäufe fachgerecht verstaut wurden, konnte die Weiterreise mit den eigentlichen Zwischenstopps losgehen. Die Fahrt führte über charakterlose Schnellstraßen und Autobahnen. Erst kurz vor dem Zwischenziel konnten wir auf Landstraßen abbiegen und die wunderschöne schwedische Landschaft der südlichsten Region Skåne durch unsere Windschutzscheibe betrachten. Die großen Felder erstrahlten golden im Sonnenschein und überall konnte man fleißige Landwirte sehen die diese abernteten. Mit den typischen roten landwirtschaftlichen Gebäuden im Hintergrund war dies das typische Bild, wenn wir an Schweden im Sommer denken. Unser Zwischenstopp war nach knapp zwei Stunden Fahrt von Göteborg aus erreicht. Die Älgsafari in Markaryd ist für uns keine Prämiere, da wir 2018 schon einmal hier vorbeigekommen waren. Nicht nur einmal durchquerten wir den etwa drei Kilometer langen Weg mit unserem Reisemobil, denn mit etwas Geduld, mit der leider nicht alle Besucher ausgestattet waren, konnten die dort lebenden Elche im dichten Wald ausgemacht werden. Manche versteckten sich im Schatten, andere badeten im kleinen Teich und wieder andere lagen einfach faul neben der Straße. Es gibt kaum einen anderen Ort an dem man Elchen so nahe kommen kann.

  • Schweden | Typischer Bauernhof in der Region Skåne - Typical Swedish farm in the region of Skåne
  • Smålandet Elchsafari | Man darf sich von diesem treuherzigen Blick nicht täuschen lassen, denn Elche können ziemlich gefährlich sein. - Don't be fooled by this trusting look, because moose can be quite dangerous.
  • Smålandet Elchsafari | Der Nachwuchs im Älgpark erkundet neugierig seine Umgebung. - The young ones in the Älgpark curiously explore their surroundings.
  • Smålandet Elchsafari | In der freien Natur ist es kaum möglich den Tieren so nah zu kommen. - In the wild it is hardly possible to get so close to the animals.
  • Smålandet Elchsafari | Es gibt aber auch noch andere Bewohner im Älgpark. - But there are also other residents in Älgpark.

Unser Nachtlager hatten wir diesmal auf einer Wiese aufgeschlagen, nur unweit von Ales stenar in Kåseberga in der Nähe von Ystad. Die größte Steinsetzung Schwedens in Form eines Schiffes ist etwa 1400 Jahre alt und es wird vermutet, dass es sich hierbei um einen Sonnenkalender handeln könnte. Beides konnte jedoch noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. An der steilen Küste vor den Steinen nahmen wir unser Abendmahl zu uns (diesmal ohne Regen) und konnten dem Sonnenuntergang zusehen.

  • Schweden | Schwedische Küstenbewohner und unsere Kurzzeitnachbarn. - Swedish coastal residents and our short-term neighbors.
  • Ales Stenar | Ales stenar ist mit 67 Metern Länge und 19 Metern Breite eine der größten erhaltenen Schiffssetzungen in Skandinavien. - At 67 metres long and 19 metres wide, Ales stenar is one of the largest preserved ship settings in Scandinavia.

Der Süden des Nordens – Teil 2

Freitag, 5.August 2022

Unser Abenteuer neigte sich mit diesem Tag dem Ende zu. In der vergangenen Nacht hatte es natürlich wieder geregnet, doch wir waren diesmal schon zuvor halbwegs trocken in unserem Micro-Camper wohlig warm in unseren Schlafsäcken eingewickelt. Am Morgen hatten wir unser Außenbad für die notwendigen Hygienemaßnahmen kurz in Betrieb genommen, sodass wir schleunigst unsere Erkundung weiterführen konnten.
Der erste Stopp, gleich nach einem notwendigen Boxenstopp bei einer Tankstelle, denn auch unser Reisemobil möchte manchmal etwas zu trinken haben, sollte zu einem unserer Hauptziele dieser Reise führen. Immerhin soll man sich das Beste doch immer für den Schluss aufheben. Wir fuhren also nach Smygehuk, dem südlichsten Punkt Schwedens. Das kleine Dorf gleicht nicht gerade einer pulsierenden Großstadt, doch genau dies macht seinen Reiz aus. Früher lebten die Menschen hier hauptsächlich vom Fischfang und dem Brennen von Kalk. Die Südküste Schwedens besteht aus zum Teil bis zu 40 Meter hohen Kreidefelsen, die durch abwechselnde Aufschichtung von Kalk und Holz oder Kohle in großen Kalkbrennöfen gebrannt wurden. Der Ofen wurde dafür nach der Aufschichtung des Materials zugemauert und das darin entzundene Feuer musste 40 Stunden gleichmäßig brennen. Erst nach einem Tag Abkühlungszeit konnte er wieder geöffnet und der gebrannte Kalk entnommen werden. Dieser wurde nebst als Baumaterial auch zum Düngen von Feldern verwendet. Bis in die 1950er Jahre wurde so an diesem Ort Kalk gebrannt, bis dies schlussendlich unwirtschaftlich und die Tätigkeit aufgegeben wurde. Heute lebt der Ort vorrangig vom Tourismus und der Tatsache, dass es keinen südlicheren Ort in Schweden gibt. Die Hauptattraktion ist ein Kubus mit den eingravierten Koordinaten des südlichsten Punkt Schwedens, die wir relativ schnell besichtigt hatten. Das anschließende Frühstück im südlichsten Café Schwedens schmeckte umso besser als es wieder einmal zu regnen begonnen hatte. Aber das waren wir ja mittlerweile gewohnt. Im nahegelegenen ehemaligen Kaufmannskontor wurden regionale Kunsthandwerksgegenstände verkauft, die auf die Älgbegleiterin eine so große magische Anziehungskraft besaßen, dass sie eines der Gegenstände erwarb und mitgenommen hatte. Sie war ab diesem Zeitpunkt stolze Besitzerin von Ohranhängern in Elchform.

  • Schweden | Abgeerntete Felder vor schwarzem Himmel - Harvested fields against a black sky
  • Schweden | Wegweiser zum südlichsten Punkt Schwedens - Signpost to the southernmost point of Sweden
  • Schweden | Ein Kubus markiert symbolisch den südlichsten Punkt Schwedens. - A cube symbolically marks the southernmost point of Sweden.
  • Schweden | Dieses Segelschiff lässt sich vom schlechten Wetter nicht aufhalten. - This sailing ship is not deterred by bad weather.
  • Schweden | Typischer Kalkbrennöfen wie er an vielen Orten an der schwedischen Südküste gefunden werden kann. - Typical lime kiln as can be found in many places on the Swedish south coast.

Der Tagesplan war an diesem Tag sehr wenig gefüllt, denn wir wollten noch einen letzten entspannten Tag in Schweden verbringen, doch das Wetter war davon überzeugt, uns unbedingt noch einen schwedischen Regenschauer auf den Weg mitgeben musste. So wanderten wir, wie schon bei unserem ersten Besuch in Ystad, nassen Hauptes durch die alten Gassen. Der Altstadtkern der Stadt lädt zum entspannten Flanieren und die vielen Cafés und Restaurants zum Verweilen ein. Jedoch ist eine Besichtigung der Stadt bei Starkregen kein großes Vergnügen. Wir flüchteten in einige Geschäfte und Antiquitätenhandlungen um dort etwas zu stöbern, nur um nach langem überlegen und dem Besuch eines weiteren staatlichen Alkoholfachgeschäftes das Kloster von Ystad zu besichtigen. Dies hätten wir uns jedoch auch sparen können. Zwar konnten wir dem Regen für eine kurze Dauer entfliehen, doch die umgerechnet 10€ Eintrittsgeld hätten wir wohl besser in hochprozentigem im Systembolaget gelassen. Das Museum des Klosters behandelt alle Themen, jedoch keines das auch nur ansatzweise irgendetwas mit dem Kloster zu tun gehabt hätte. Im ersten Raum wurden 80-jährige Menschen zu ihrem Sexleben befragt und die Antworten groß an Leinwänden präsentiert und in einem anderen wie Plastik unsere Meere verschmutzt. Im ehemaligen Dormatorium wurde eine Spielecke für Kinder eingerichtet, die nur bei Voranmeldung benutzt werden darf und die Kirche des Klosters hatte den Charme eines Lagerhauses. Zumindest waren wir im Inneren vor dem Regen geschützt…
Nach weiteren Spaziergängen bei leichtem Nieselregen fanden wir ein nettes Lokal in dem wir es uns bei Speis und Trank gemütlich gemacht hatten. Um kurz vor 20 Uhr mussten wir uns wieder am Fährhafen einfinden um später am Blechballett teilnehmen zu können. Die Fähre legte um 22:30 ab wir Angehörigen eines Bergvolkes fuhren wieder über das Meer. Wir hofften auf das Beste.

  • Ystad | Charakteristische kleine Häuschen säumen die Straßen in der Altstadt von Ystad. - Characteristic little houses line the streets in the old town of Ystad.
  • Ystad | Die Klosteranlage stammt aus dem 13.Jhd und beherbergt heute ein lokalgeschichtliches Museum und einen Kunstgewerbeladen. - The monastery complex dates back to the 13th century and today houses a local history museum and an arts and crafts shop.
  • Ystad | Fachwerkhaus in der Hospitalsgatan - half-timbered house on Hospitalsgatan
  • Ystad | Einfahrt in den Fährhafen nach Swinemünde - Entrance to the ferry port to Swinoujscie
  • Ystad | In der Abenddämmerung ist es Zeit für uns von Schweden Abschied zu nehmen. - At dusk it is time for us to say goodbye to Sweden.

Fährfahrt nach Hause

Samstag, 6.August 2022

Die Fahrt verlief ruhig. Ein leises Dröhnen des Schiffsdiesels war das einzige das wir in dieser Nacht hörten. Als wir das erste Mal an diesem Morgen aus dem Fenster sahen, war schon Land in Sicht. Nur knapp eine Stunde später waren wir bereits in Polen und konnten unsere lange Heimreise antreten. Wir hatten genug Zeit während der Fahrt um das Erlebte Revue passieren zu lassen. Der endlos scheinende Strand in Dänemark an dem wir unsere erste Nacht bei diesem Abenteuer verbrachten, die wunderbare Wanderung und die alten Holzkontore in Bergen, viele beeindruckende Wasserfälle am Weg zum Preikestolen bei Stavanger, Fährfahrten über wunderschöne Fjorde, viel Regen und malerische Landschaften haben wir in Norwegen kennenlernen dürfen. In der kurzen Zeit in der wir bei diesem Abenteuer Schweden erkunden durften, wurden wir spontan durch eine kleine Brauerei geführt, konnten den industriellen Pioniergeist Göteborgs kennenlernen und waren auf Tuchfühlung mit Elchen. Der Titel der Reise war dieses Mal „Der Süden des Nordens“. Was im ersten Moment widersprüchlich klingt, konnte von uns bei Lindesnes in Norwegen und Smygehuk in Schweden erreicht werden, denn hier liegen die jeweils südlichsten Punkte des jeweiligen Landes. Nur der südlichste Punkt des Festlandes Finnlands (liegt in Tulliniemi) konnte aus zeitlichen Gründen nicht erkundet werden. Wir versuchen diesem Versäumnis in Zukunft nachzukommen. Oder vielleicht führt unsere nächste Erkundung zu den nördlichsten Punkten Skandinaviens? Wir werden sehen…

  • Polen | Einfahrt der Fähre in Swinemünde - Ferry entering Swinoujscie
  • Polen | Typischer Wald entlang der Straßen - Typical forest along the roads
  • Österreich | Die österreichisch-tschechische Grenze bedeutet, dass wir wieder fast zu Hause sind. - The Austrian-Czech border means that we are almost home again.

Sonnenuntergang am Dachstein – Ein Abendessen in den österreichischen Alpen

Der Dachstein: Das Juwel der Alpen lockt Naturliebhaber und Abenteuerlustige gleichermaßen an. Erlebe die atemberaubende Schönheit der alpinen Landschaft, von schroffen Felswänden bis hin zu glitzernden Gletschern. Egal ob erfahrene Bergsteiger oder Freizeitwanderer – der Dachstein bietet für jeden etwas. Klettersteige, Gipfeltouren oder gemütliche Wanderungen: Hier findet jeder die perfekte Herausforderung für den nächsten Aktivurlaub.

Auf der Suche nach Elfen und Bananenplantagen – Eine Reise nach Island

Stell dir vor, du stehst am Rand eines gurgelnden Geysirs, während Dampf deine Brille beschlägt. Oder du wanderst durch eine Mondlandschaft aus schwarzem Sand, umrahmt von schneebedeckten Gipfeln. Klingt nach einem Abenteuer? Island ist genau das und noch viel mehr!

Begleite mich auf mein Abenteuer nach Dänemark, Island und die Färöer Inseln.

Christkindlesmarkt Nürnberg

Fast jeder hat schon einmal von ihm gehört, viele auch schon gesehen. Der Nürnberger Christkindlesmarkt zählt zu den größten in Deutschland und wir erzählen von unserem Besuch.

Stockholm – Unsere Suche nach dem Glögg

Wir haben uns dazu entschlossen zum Lucia-Fest nach Stockholm zu reisen. Bei unserem Abenteuer bestaunten wir viele Lichter, haben uns durch Schwedens Küche gekostet und um einen Baum tanzende Menschen beobachtet.

Hier kannst du nachlesen was wir sonst noch erlebt haben und wie es uns dabei ergangen ist.

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