Und plötzlich kommt Wasser!
Älgbert Elgson

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Einer der beliebtesten Stopps entlang des Golden Circles in Island ist das hochaktive Gebiet der heißen Quellen von Geysiren, kochenden Schlammtöpfen und Fumarolen.
Der Besuch ist ein aufregendes Erlebnis, denn es gibt auf der Welt nur wenige Orte an dem regelmäßig kochendes Wasser und Dampf aus der Erde schießt.
Auf den Spuren der Geschichte
Das Gebiet wurde vor mehr als 1.000 Jahren aktiv und besteht aus mehreren Heißwasserlöchern. Der älteste Bericht über das Geysir-Gebiet stammt aus dem Jahr 1294 als Erdbeben im Süden Islands Veränderungen im geothermischen Gebiet verursachten und mehrere neue heiße Quellen schufen.
Geologen sind der Meinung, dass sich das geothermische Feld, in dem der Große Geysir liegt, über eine Fläche von etwa 3 km² streckt. Die meisten der aktiven Quellen liegen entlang eines etwa 100 m breiten Landstreifens, der sich in die gleiche Richtung wie die tektonischen Linien in der Region (von Süden nach Südwesten) ausdehnt. Der Streifen ist 500 m lang und gipfelt in der Nähe dessen, was einst der Sitz der Herren von Haukadalur war.

Obwohl der Große Geysir heutzutage weniger aktiv ist, hat er heißen Quellen auf der ganzen Welt seinen Namen verliehen. Es war der erste Geysir, der in einer schriftlichen Quelle beschrieben wurde. Zusammen mit Old Faithful im amerikanischen Yellowstone-Nationalpark ist Geysir der berühmteste Geysir der Welt.
Berichte aus dem 19. Jahrhundert erwähnen, dass der Große Geysir bis zu 170 Meter hoch werden konnte. Die hohe seismische Aktivitäten in der Gegend wirkt sich stark auf den Geysir aus. Nachdem dieser jahrelang inaktiv war, wurde er im Jahr 2000 durch ein Erdbeben wiederbelebt und brach mehrere Jahre lang mehrmals täglich aus. Heute ruht der Geysir wieder, jedoch die anderen heißen Quellen im geothermischen Gebiet von Geysir, wie etwa der Strokkur sind ziemlich aktiv. Dieser speit alle zehn Minuten Wasser bis zu 30 Meter in die Luft.
Das Wort Geysir kommt vom altnordischen Wort „Geysa“ und bedeutet in etwa so viel wie „sprudeln“ oder „hervorbrechen“.
Ein Geysir kann nur ausbrechen wenn viele Eigenschaften zum gleichen Zeitpunkt am selben Ort auftreten. So muss ein tiefer Schacht vorhanden sein, der von einer Wasserquelle gespeist wird. Dieses Wasser muss am Abfließen gehindert werden, zum Beispiel durch eine Schicht aus schwer wasserdurchlässiger Kieselerde. Diese Kieselerde fängt das Wasser in den tiefen Stellen des Schachtes auf, welches dann durch eine Wärmequelle, wie etwa einem vulkanischem System, soweit erhitzt wird bis das Wasser zu kochen beginnt. Bei genügend Druck und Hitze steigen diese Dampfblasen dann explosionsartig auf und nehmen auf ihrem Weg eine große Menge Wasser mit nach oben. Der Geysir bricht aus.
Einige Geysire brechen regelmäßig alle paar Minuten aus, wie etwa der Strokkur, doch bei anderen dauert dieser Prozess viele Jahre.
Neben Geysiren befinden sich in diesem Geothermalgebiet auch Fumarolen und Schlammtöpfe. Bei Fumarolen handelt es sich um aufsteigende Dampf- und Gassäulen die aus dem unterirdischen Vulkansystem an die Erdoberfläche strömen.
Schlammtöpfe sind blubbernde Becken aus kochendem gelösten Gesteinsbestandteilen. Diesen Schlammtöpfen sollte man sich nicht zu stark annähern, da diese oftmals von einer nur sehr dünnen Kruste an der Oberfläche umgeben sind und man hier sehr leicht einbrechen könnte. Der Schlamm ist extrem heiß und kann zu starken Verbrennungen führen.

Praktische Informationen
Das Geysir-Besucherzentrum, welches nicht nur Waren, sondern auch Informationen an die Besucher zu vermitteln versucht, ist gleich nebenan und beinhalten Toiletten, Geschäfte, Restaurants und Unterkünfte. Je nach Vorliebe der Besucher stehen sowohl ein Luxushotel als auch ein einfacher Campingplatz zur Verfügung.
Auch wenn man das Naturschauspiel gerne aus nächster Nähe betrachten möchte, sollte man doch einen ausreichenden Abstand zu den Geysiren einhalten und auf keinem Fall die markierten Wege verlassen. Der Untergrund könnte unter dem eigenen Gewicht nachgeben und schwere Verletzungen wären die Folge.
Ebenso sollte man keine Gegenstände in die Geysire, Schlammtöpfe und Fumarolen werfen, da diese zum einen nie wieder auftauchen werden und zum anderen können diese Gegenstände die Naturwunder in so einem Ausmaß stören, dass diese danach kein Wasser mehr speien würden.
Wer dem größten Ansturm von Touristen entgehen möchte, sollte entweder außerhalb der Hauptsaison (Juni-August), vor 10:00 Uhr oder erst nach 16:00 Uhr anreisen. Hier kommen vor allem viele organisierte Reisegruppen mit ihren Reisebussen aus Reykjavik.
Bei jährlich über zwei Millionen Besuchern die Island erkunden möchten, bei nur etwa 350.000 Einwohnern, wird es dennoch nur schwer möglich sein einen so berühmten Ort wie den Geysir für sich alleine zu haben.
Anreise
Der Geysir ist etwa 100 km von der Hauptstadt Reykjavik entfernt und es gibt mehrere Wege die ans Ziel führen. Der beste Weg diesem Naturschauspiel beizuwohnen ist eine Selbstfahrer-Tour durch den Golden Circle. Dieser kann entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn befahren werden. Die Fahrzeit zum geothermischen Gebiet des Geysirs ist jedoch in beide Richtungen mit etwa 1,5 Stunden in etwa gleich lang.
Auf diese Weise kann das Tempo den eigenen Bedürfnissen angepasst werden und man hat die Flexibilität unterwegs an weiteren beeindruckenden Orten, wie etwa Þingvellir, Friðheimar oder den vielen schönen isländischen Wasserfällen Halt zu machen.
Es ist auch möglich an einer geführten Bustour zum Geysir teilzunehmen. Diese starten meist direkt in der Hauptstadt Reykjavik und sind als Tagestouren ausgelegt. Somit ist es auch Besuchern möglich den Golden Circle bequem und schnell kennenzulernen, wenn diese viel zu wenig Zeit für die Erkundung der schönen Landschaft Islands eingeplant haben.
Fazit:
Das geothermische Gebiet des Geysirs sollte bei jedem Islandreisenden einen Fixpunkt auf dem Reiseplan darstellen. Nur wenige Orte auf der Welt bieten solch ein beeindruckendes Naturschauspiel.







