Ein Canyon wie aus einer anderen Welt.
Älgbert Elgson

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Der zwei Kilometer lange und knapp 100 Meter tiefe Canyon Fjaðrárgljúfur befindet sich an der Südküste Islands nahe des Dorfes Kirkjubæjarklaustur und ist leicht über die Ringstraße zu erreichen. Der namensgebende Fluss Fjaðrá formte über Jahrtausende eine atemberaubend schöne Schlucht mit imposanten Wasserfällen, die heute bewandert und bestaunt werden können.
Obwohl Fjadrargljufur als ganzjähriges Ziel bekannt ist, machen Schnee und Eis es schwierig, in das Gebiet zu gelangen. Wer jedoch den schweren Weg auf sich nimmt und die einmalige Landschaft im Winterkleid sehen will, muss aufpassen um nicht auf den eisigen Wegen auszurutschen. Aufgrund der Beschaffenheit der Wege kann es hier sehr leicht zu Unfällen kommen. Von Mitte-Frühling bis Mitte-Herbst ist die beste Zeit die Schlucht zu besuchen.
So richtig bekannt geworden ist der Fjaðrárgljúfur, als Justin Bieber im Jahr 2015 dort Teile seines Musikvideos ‚I’ll Show You‘ drehte. Die Besucherzahlen sind danach im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Übermäßige Besucherzahlen wurden hier, wie auch in anderen Teilen Islands, aber immer mehr zum Problem für die empfindliche Natur, zumal das Gebiet unter Naturschutz steht. Deshalb wird der Weg an der Schlucht beziehungsweise Teile davon immer wieder für längere Zeit gesperrt, um der Natur Zeit zu geben sich zu erholen.
Mittlerweile ist der größte Sturm vorübergezogen und Fjaðrárgljúfur ist weit weniger überlaufen als andere Orte in der Gegend, wie das Naturschutzgebiet Skaftafell oder die Gletscherlagune Jökulsárlón. Seine Schönheit und Abgeschiedenheit machen es zu einem Traumziel für Fotografen und Wanderer gleichermaßen.
Auf den Spuren der Geschichte
Obwohl das Tal erst am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren entstanden ist, ist das Gestein hier viel älter, nämlich etwa zwei Millionen Jahre. Die Schlucht entstand durch den Abfluss eines Gletschersees, der das weiche Gestein abtrug und nur die widerstandsfähigeren Felsen zurückließ.
Die Schlucht wurde durch den Fluss Fjaðrá geformt. Der Fluss entspringt im Hochland und hat sich bis zu 100 Meter tief in das Palagonitgestein gegraben.

Praktische Informationen
Am Start der Fjaðrárgljúfur befindet sich ein kleiner Schotterparkplatz mit WC-Anlage.
Vom Hauptweg zweigen immer wieder Wege direkt an die Felskante ab. Diese wirklich gefährlichen schmalen Trampelpfade dürfen aber nicht mehr betreten werden, da aufgrund der instabilen Kante der Schlucht Abstrurzgefahr besteht. Aber auch von den offiziellen Wegen aus hat man an vielen Stellen eine herrliche Sicht in den wirklich beeindruckenden Canyon.
Für den gesamten Weg in die zwei Kilometer lange Schlucht benötigt man etwa 20 Minuten. Bei vielen Fotostopps kann man aber auch schnell mal über zwei Stunden dort verbringen. Am oberen Ende gelangt das Wasser aus drei verschiedenen Richtungen über Wasserfälle in die Schlucht. Hier ist auch eine große Aussichtsplattform installiert von der man aus einen wunderschönen Blick zurück zum Schluchtausgang hat.
Fjaðrárgljúfur ist bei Fotografen wegen der Kontraste zwischen den dunklen Felsen, dem schäumenden Wasser und dem grünen Moos sehr beliebt. Wenn die Mitternachtssonne oder die Nordlichter zu sehen sind, ist es natürlich ein Paradies für Fotografen.
Die nächstgelegene Siedlung ist Kirkjubæjarklaustur, ein Ort mit einer langen religiösen Geschichte, denn hier befand sich das erste Kloster Islands und wohl der einzige Ort im Land an dem der altnordische Glaube nie praktiziert wurde. Viele der örtlichen Sehenswürdigkeiten sind nach den Nonnen aus dem Kloster benannt, wie zum Beispiel Systrastapi (Schwesternfelsen) und Systrafoss (Schwesternfall).
Anreise
Man erreicht den Fjaðrárgljúfur über die 6 Kilometer westlich von Kirkjubæjarklaustur abzweigende Straße 206. Diese biegt nach weiteren 2 Kilometern als Straße F206 nach rechts in Richtung Hochland ab. F-Straßen sind in Island normalerweise nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahrbar, doch die F206 sollte auch für normale Autos kein großes Problem darstellen. Wir hatten mit unserem Reisemobil jedenfalls keine Probleme.
Folgt man dem geraden Weg, gelangt man zum unteren Parkplatz am Fjaðrárgljúfur. Man könnte aber alternativ auch ein Stück der Hochlandpiste folgen und gelangt so zu einem Parkplatz am oberen Ende der Schlucht.
Fazit:
Für uns gehört die Schlucht Fjaðrárgljúfur zu einer Islandreise dazu.
Eine Tagesreise von Reykjavik wird sich mit einer reinen Fahrzeit von knapp 3,5 Stunden wohl bei den wenigsten ausgehen. Doch wer eine Island-Umrundung beispielsweise von Seyðisfjörður aus in Angriff nimmt, sollte auf dem Weg unbedingt hier anhalten.





