Hallo Island!
Älgbert Elgson

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Seyðisfjörður ist eine kleine Stadt in der im Osten von Island liegenden Region Austurland. Umgeben von hohen schneebedeckten Bergen und am Ende des gleichnamigen Fjordes war die Stadt einst eine der bedeutendsten und größten von Island.
Auf den Spuren der Geschichte
Während der letzten Eiszeit formten Gletscher eine tiefe Meeresrinne, die heute unter dem Namen Seyðisfjörður bekannt ist. Bereits 1848 gründeten die Isländer am Ende dieses Fjordes ein Handelszentrum und benannten es nach dem Fjord. Schnell wuchs das kleine Dorf zu einer stadtähnlichen Siedlung heran und die Einwohner profitierten vom knapp 17 Kilometer langen schützenden Fjord und der großen Nachfrage an Heringen.
Seyðisfjörður wurde immer größer, entwickelte sich zum wohlhabendsten Ort im Osten von Island und wurde schließlich 1895 als vierter Ort in Island zur Stadt erklärt. Doch das Wachstum hielt weiter an, dies war auch dem technischen Fortschritt geschuldet, denn die Stadt war die erste im Land, die im Jahre 1906 an das Telefonnetz angeschlossen wurde. Von den schottischen Orkney-Inseln aus wurde ein 615 Kilometer langes Seekabel für Telegrafie bis nach Seyðisfjörður verlegt und in weiterer Folge die Telefon- und Telegrafenleitungen in ganz Island ausgebaut. 1913 entstand schließlich am Rande von Seyðisfjörður das erste Wasserkraftwerk Islands und die Stadt wurde als erste des Landes voll elektrifiziert. Da der Fjord auch mit großen Schiffen befahren werden kann und aufgrund seiner geschützten Lage, war der Fjord zudem im zweiten Weltkrieg ein wichtiger Marinestützpunkt der Alliierten. Zu Höchstzeiten waren bis zu 800 Soldaten in der Stadt stationiert.
Das Wachstum war zu Ende, als die Wirtschaft in Reykjavik aufblühte und viele Bewohner von Ost-Island in den Südwesten abwanderten. 1989 wohnten fast 1.000 Menschen in Seyðisfjörður, heute sind es nicht einmal mehr 700.

Seyðisfjörður gewinnt heute durch den Tourismus erneut an Bedeutung. Viele Künstler haben sich in der Stadt niedergelassen und der Regenbogenweg mit der blauen Kirche im Hintergrund sind ein beliebtes Fotomotiv. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass fast alle Häuser inklusive der blauen Kirche „Seyðisfjarðarkirkja“ in Norwegen gebaut wurden und als Bausatz nach Island verfrachtet wurden.
Praktische Informationen
Seyðisfjörður wird vor allem von den mit der Fähre anreisenden Besuchern erkundet, weshalb insbesondere vor der Fährabfahrt Leben in die Stadt einkehrt. In der blauen Kirche finden dann im Sommer Abendkonzerte statt und die Restaurants laden zum verweilen ein. In den historischen Häusern haben sich häufig Künstler niedergelassen, die vor Ort isländisches Kunsthandwerk herstellen und dieses auch an die Besucher verkaufen. Zudem kann das erste Wasserkraftwerk Islands besichtigt werden – dieses ist bis heute in Betrieb und wurde 2003 durch ein Museum ergänzt. Da die Stadt bei der Modernisierung des Landes eine bedeutende Rolle gespielt hat, findet man auch ein Technikmuseum in einem 1894 vom norwegischen Industriellen Otto Wathne erbautem Wohnhaus.
Obwohl Seyðisfjörður eher klein scheint, gibt es dort doch alles was ein Besucher benötigt (Gastronomie, Supermarkt, Tankstelle, Übernachtungsmöglichkeiten, …) und nach einer ca. 30 minütigen Fahrt über eine wunderschöne Passstraße ist die nächst größere Stadt Egilsstaðir zu erreichen.

Anreise
Seyðisfjörður ist Anfangs- und Endpunkt von vielen Islandreisenden, die die Insel mit dem eigenen Gefährt erkunden möchte. Die Fähre Norönna verkehrt wöchtlich zwischen Dänemark und Island – die genauen Fahrtzeiten und Preise findet ihr auf der Homepage der färöischen Reederei Smyril Line.
Alle anderen Islandreisenden starten ihre Reise am Flughafen in Keflavík, nahe der Hauptstadt Reykjavík. Ohne einem Mietwagen oder einer organisierten Rundreise wird sich die Fahrt nach Seyðisfjörður schwierig gestalten, denn die Stadt befindet sich mit über 600 Kilometern Entfernung auf der anderen Seite der Insel.
Fazit:
Für viele Islandbesucher ist die Stadt Seyðisfjörður der erste Einblick in das Land und er könnte nicht schöner sein. Steile Berghänge ragen auf beiden Seiten des gleichnamigen Fjordes hoch hinauf und bunte Häuser lassen an vergangene Zeiten erinnern. Die Stadt ist typisch für das Land sehr klein, jedoch allemal sehenswert. Wer sich an kleinen Dingen erfreuen kann und die Natur schätzt, wird einen Besuch in Seyðisfjörður jedenfalls nicht bereuen!

